Kennen Sie das? Kaum haben Sie sich einen Computer, eine Digitalkamera oder ein Handy gekauft, schon kommt ein Schlaumeier im Büro oder aus der Nachbarschaft daher und sagt Ihnen, dass ihr Neuerwerb längst veraltet sei. So ähnlich ist es mit Golfführern über die Algarve: kaum gedruckt, schon obsolet, denn alle Nase lang entstehen neue Plätze. Die Zahlen sprechen für sich: Eine Million Golfrunden werden pro Jahr an der Algarve gespielt.

In diesem Jahr sollen es nach dem Willen der Touristiker 1,7 Millionen sein. Und dafür wird alles getan: An der Ostalgarve ist mit Monte Rei ein 36-Löcher-Platz der Extraklasse entstanden; auch Severiano Ballesteros, der sich vor drei Jahren vom Turniergeschehen verabschiedet hat, baute ganz in der Nähe mit Quinta do Vale einen neuen Platz, der natürlich ebenfalls höchsten Ansprüchen genügt. Nick Faldo hat im Mai 2008 auf seinem Platz, dem Amendoeira Golf Resort, den goldenen Ball geschlagen. Auch hier wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt: Der Investor Oceânico, der vor geraumer Zeit alle Vilamoura-Plätze kaufte, investierte laut eigenen Angaben 500 Millionen Euro, um ein Gebiet von 640 Hektar nahe dem Ort Silves in ein superbes Resort mit Villen und Hotel zu verwandeln. Direkt neben dem Nick-Faldo-Platz, der sich – einmalig an der Algarve – durch große Waste Areas auszeichnet, wie man sie etwa aus Arizona kennt, entstanden auch noch 18 Bahnen aus der Feder von Christy O’Connor.
Kurz gesagt: Es brummt. Und der Motor des Golfbooms sitzt in der Zentralalgarve. Allein um Faro, einem der geschäftigsten Flughäfen Europas (43.000 Starts und Landungen und mehr als 5 Millionen Fluggäste pro Jahr), liegen ein Dutzend feinster Golfplätze und Resorts, etwa Vale do Lobo und Quinta do Lago, dazu Edelwiesen wie San Lorenzo oder der Arnold-Palmer-Platz Victoria.
Faros Flughafen war ganz entscheidend für den Aufstieg der Algarve zu einer der besten Golf-Destinationen Europas, aber die Hauptstadt der Algarve ist mehr als nur eine Einflugschneise. Die Vila Adentra, die Altstadt aus dem 8. Jahrhundert, ist noch nahezu vollständig erhalten, und auch die Mouraria, das Maurische Viertel gleich nebenan, lohnt einen Bummel. Im Uferviertel, dem Bairro Riberinho, gibt es viele gute Bars und Kneipen.
Auch ein Ausflug in den Ria Formosa Naturpark sollte auf Ihrem Programm stehen: Die Kanäle dieser einzigartigen Lagunenlandschaft lassen sich per Boot erkunden. Der beste Stopp: die Ilha Deserta. Das einzige Gebäude der Insel ist das Restaurant »O Estaminé«, ein nur aus Holz errichteter Bau. Am traumhaften Badestrand lässt sich bestens Sonne tanken und den Meeresfrüchteteller verdauen. Boote fahren täglich um 11 und 15 Uhr vom Cais da Porta Nova ab. Und wenn Sie dann noch Zeit haben, sollten Sie in das kleine Örtchen Estói acht Kilometer nördlich von Faro fahren. Die dortigen Ausgrabungen gehören zu den bekanntesten in Portugal. Zum Beispiel können Sie die Reste einer römischen Villa aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bewundern, deren Badehaus bereits, ganz im Sinne heutiger Golf-Spas, über Warm- und Kaltwasserbecken verfügte.
Mehr Kultur muss dann nicht mehr sein, denn die Golfplätze rund um Faro versprechen genug Abwechslung. Stürzen Sie sich ins Abenteuer, spielen Sie, so viel Sie können – aber lassen Sie sich vom langsamen Spiel nicht die Laune verderben. Rechnen Sie mit langen Runden, aber genießen Sie die Sonne und die salzige Atlantikluft.
Stefan Maiwald, geboren 1971, schreibt u. a. für GQ, Freundin, Merian, das SZ-Magazin, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und regelmäßig für das Golf Journal.
