Allgemein, Ein Tag in...
Schreibe einen Kommentar

Ein Tag in … Faro!

Faro, die Hauptstadt der Region Algarve, lebt vom Kontrast ihrer Jahrhunderte alten, wechselvollen Historie und dem Flair einer modernen, quirligen Regionalmetropole, die zum Spazierengehen einlädt, zum Shoppen, Essen und Entdecken der zahlreichen Sehenswürdigkeiten, versteckten Details, Legenden und fantastischen Panoramen. Faro ist das ganze Jahr über Bühne für kulinarische und musikalische Festivals.

09.00 Uhr:

Beginnen Sie den Spaziergang im Stadtgarten ‘Jardim Manuel Bivar’. Seitlich grenzt die Parkanlage an den Yachthafen, der um diese Zeit erwacht. Skipper bereiten die nächste Reise vor, Boote sind zum Auslaufen bereit; ein nettes Schauspiel mitten in der Stadt.

Auf Schritt und Tritt fallen Mosaiken ins Auge: Das traditionelle Straßenpflaster, die „calçada portuguesa“, aus schwarzen Basaltwürfeln und weißen Kalksteinkuben wird schon seit 500 Jahren in Handarbeit verlegt und bildet Symbole der Stadt und kunstvolle Ornamente ab.

Hier bietet sich eine gute Gelegenheit zum Frühstück in einem kleinen Café am Park, wobei die Auswahl aus den etlichen portugiesischen Kaffee-Zubereitungen (ohne künstliche Zusätze!) ebenso schwer fällt wie die Entscheidung für den morgendlichen Snack: Warmer Buttertoast? Herzhaft gefüllte Teigtaschen? Oder lieber Gebäck mit Zutaten aus dem Garten der Algarve: Mandeln, Johannisbrot, Orangen, Kürbis, Feigen?

Frühstück in Faro

10.30 Uhr:

Gestärkt geht’s weiter. Durchqueren Sie den Stadtpark in südlicher Richtung bis zum Torbogen ‘Arco da Vila’, dessen monumentale Fassade an eine Kirche erinnert. Tatsächlich war es der Bischof von Faro, Francisco Gomes de Avelar, der im Jahr 1812 den Genueser Baumeister Francesco Saverio Fabri beauftragte, auf der Ruine eines mittelalterlichen Stadttores diesen prächtigen Durchgang zwischen Altstadt und Neustadt zu errichten. Die Statue an der Fassade ist Thomas von Aquin gewidmet, einem der Schutzpatrone von Faro, der einer Legende zufolge die Stadt vor der Pest bewahrt haben soll. Auf dem Dach nisten Störche, die ganzjährig zum Bild der Algarve gehören.

Arco da Vila

Wer die lebendig gebliebene Historie der Stadt erkunden möchte, sollte hier beginnen. Durch den Torbogen gelangt man in den ältesten Teil von Faro, die ‘Cidade Velha’. Gewundene Gässchen, deren Fundamente die Mauren legten, führen vorbei an hoch aufragenden alten Mauern und steinernen Bögen, an Häusern mit kunstvollen schmiedeeisernen Balkonen und schmucken Laternen. Hier, wo praktisch kein Auto fährt, herrscht wohltuende Stille, nur die Vögel singen, der Trubel der 65.000 Einwohner zählenden Stadt bleibt draußen.

Es geht weiter zum ‘Largo da Sé’, dem Hauptplatz vor der Kathedrale, auf dem ein Denkmal für jenen Bischof steht. Der Kirchenmann hatte bei einem Aufenthalt in Rom viel über die Baukunst gelernt und betrieb die Restaurierung zahlreicher emblematischer Bauwerke in Faro und anderen Algarve-Städten, die bei dem verheerenden Erdbeben vom 1. November 1755 Schaden genommen hatten.

Kathedrale

Gesäumt von Orangenbäumen, sind hier die Prachtbauten der Stadt chronologisch aufgereiht: Das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert ist das jüngste Bauwerk, ein Jahrhundert zuvor entstand der Bischofspalast. Die Kathedrale selbst, die ‘’, ist das älteste Gebäude; es ruht auf den Grundmauern einer früheren Moschee.

Erste Arbeiten an der auch als ‘Igreja de Santa Maria’ bekannten Kathedrale datieren um 1250. Fünf Jahrhunderte lang erfolgten bauliche Erweiterungen und Änderungen sowie Wiederaufbauten nach Bränden und Erdbeben, entsprechend zahlreich sind die Stilelemente, die die Bauherren je nach der Mode ihrer Zeit untergebracht haben. Hier verbinden sich Gotik, Barock und Renaissance. Im Innenraum verdienen die Altäre sowie aufwendige, vergoldete Schnitzereien, Gemälde und Statuen und blau-weiß bemalte Fliesen (Azulejos) Beachtung.

Kathedrale

Kirchenbauten wurden seit dem 17. Jahrhundert zumeist mit Gold aus der Kolonie Brasilien finanziert, das auch im Innenraum großzügig verarbeitet wurde. Pracht und Reichtum der Kathedrale von Faro waren einst weit über Portugals Grenzen hinaus bekannt und in gewisser Weise anziehend: Auch der englische Freibeuter Francis Drake plünderte im Jahr 1587 die Kirche.

Als Abschluss des Kirchenbaus gilt 1715, das Jahr, in dem die Orgel gebaut wurde. Dafür ließ Portugals kunstsinniger König D. João V. den damals berühmtesten Orgelbauer Europas, Arp Schnitger, aus den norddeutschen Brake nach Faro holen. Dessen Schüler Heinrich Hulenkampf vollendete das Werk des Meisters und ließ sich anschließend in der Algarve nieder, als einer der ersten deutschen Residenten sozusagen. Der Klang des Instruments gehört zu den Höhepunkten des mehrwöchigen Orgelfestivals (‘Festival de Órgão de Faro’), das alljährlich im November stattfindet.

Wer die Stufen zur Aussichtsplattform auf der Kathedrale hochsteigt, wird mit einem einzigartigen Panorama belohnt. Der Blick schweift in die Ferne über die Lagune des Naturschutzgebietes Ria Formosa und über die Stadt und offenbart die enge Verbindung von Faro mit dem Meer. Nach dem Abstecher auf das Dach gelangen Sie in den hübschen Kirchgarten, zu einem kleinen Museum und zum Knochenaltar. Künstlerisch gestaltet und gleichzeitig ein bisschen gruselig bilden Gebeine und Schädel von exhumierten Mönchen die Struktur.

Der Spaziergang durch die Altstadt geht weiter zum Platz ‘Praça Dom Afonso III’, benannt nach dem König, der um 1250 die Reconquista in Portugal abschloss. Ihm ist das Denkmal in der Platzmitte gewidmet. Dahinter liegt das Kloster ‘Convento de Nossa Senhora da Assunção’ aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, dessen Errichtung sich wegen bis heute aktueller Probleme wie Geldmangel und Streit um Zuständigkeiten über gut vierzig Jahre hinzog. Schließlich garantierten vier Frauen Finanzierung und Fertigstellung: D. Leonor und D. Catarina, die Gemahlinnen der Könige, in deren Amtszeit der Kirchenbau fiel, sowie zwei wohlhabende Nonnen, die ihr Vermögen spendeten. Diese Anstrengung sei von höheren Mächten belohnt worden, glaubt man hier: Das trutzige Kloster gehört zu den wenigen Gebäuden in Faro, die Erdbeben und Eroberungsfeldzüge unbeschadet überstanden haben. Heute beherbergt es die Stadtbibliothek sowie das städtische Museum mit archäologischen Funden römischen und islamischen Ursprungs sowie eine stilvolle Sammlung antiker Wandteppiche, Kirchenkunst, moderne portugiesische Werke und Malerei der französischen Künstlerin Hélène de Beauvoir – die Schwester der Sartre-Lebensgefährtin Simone de Beauvoir lebte Anfang der 1940er Jahre in Faro; die Stadt inspirierte sie zu vielen Gemälden.

13.00 Uhr:

Zeit für eine Mittagspause. In der Altstadt bieten verschiedene Restaurants portugiesische und internationale Spezialitäten an. Ein besonderer Leckerbissen ist das Restaurant ‘Vila Adentro’ in unmittelbarer Nähe des Konvents in einem ganz besonderen Ambiente: Teile der alten Stadtmauer wechseln sich mit großflächigen Fliesenbildern aus blau-weißen Azulejos ab, die Szenen aus der Stadtgeschichte zeigen. Wer nur eine kleine Mahlzeit möchte, sollte sich an einen Querschnitt durch die Vorspeisen halten, um regionale Delikatessen zu probieren.

14.30 Uhr:

Sie verlassen die Altstadt durch einen weiteren Torbogen, den ‘Arco do Repouso’. Auch hier gehen die Fundamente auf die maurische Besiedelung der Algarve zurück. Und wie so viele Orte aus der Zeit, als sich 1001 Nacht bis zum südwestlichen Zipfel des europäischen Kontinents erstreckte, ist auch dieser sagenumwoben: In Kampf um die Herrschaft über die Algarve im 13. Jahrhundert soll sich eine maurische Prinzessin in einen portugiesischen Ritter verliebt haben. Zur Strafe verdammte ihr Vater sie zum ewigen Leben in den Mauern der Stadt. Die Legende will, dass ihr trauriges Seufzen noch heute im Torbogen der alten Stadtmauer zu hören ist.

Nun ist es an der Zeit, das andere Faro kennenzulernen. Hier bieten sich verschiedene Ziele an, zum Beispiel ein Bummel durch die Einkaufsstraße Rua de Santo António. Auch hier laufen Sie über die ornamentreiche ‘calçada portuguesa’ zu vielen kleinen Geschäften, die auch Kunsthandwerk aus der Algarve verkaufen. Unübersehbar ist die ‘Casa das Açafatas’. Das Haus aus dem 18. Jahrhundert vereint gleich mehrere Merkmale der regionalen Architektur: Steinerne Ornamente umrahmen Tür und Fenster, die schmiedeeisernen Gitter der Balkone sind reich verziert. Das Familienwappen an der Fassade verrät: Hier wohnte einst die Familie eines hochrangigen Militärs des Königs D. João VI. Auch die kleinen Seitenstraßen sind für manche Entdeckung gut.

Eine Alternative zum Einkaufsbummel ist ein Nachmittag am oder auf dem Wasser. Nachdem Sie die Altstadt durch den ‘Arco do Repouso’ verlassen haben, gehen Sie rechts an der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert entlang, wo einige Azulejo-Paneele historische Begebenheiten darstellen. Bald sehen Sie den Uferbereich, der wie geschaffen ist für einen ausgedehnten Erkundungsgang entlang der Stadtfront. Wer nicht so weit laufen möchte, kann jederzeit über eine Vielzahl kleiner Straßen zurück ins Stadtzentrum gehen – oder eine Bootsfahrt machen. Nicht weit von der Stadtmauer entfernt liegt die Anlegestelle ‘Porta Nova’, von der aus Sie mit der Fähre durch die Ria Formosa und zu den Inseln schippern und die Algarve-Hauptstadt von der Seeseite aus betrachten können. Die Fahrt hin und zurück durch die ruhigen Gewässer der Lagune dauert etwa eine Stunde. Sanft plätschernde Wellen und viele Vögel, die in diesem Naturschutzgebiet nisten, begleiten Sie. Im klaren Wasser sehen Sie die lebendige Meeresfauna.

18.00 Uhr:

Egal, für welche Variante des Nachmittags Sie sich entschieden haben: Der krönende Abschluss darf nicht fehlen. An der Nordseite des Yachthafens ist das Hotel Eva nicht zu übersehen. Vor wenigen Monaten eröffnete dort im Erdgeschoss die Gourmet-Lounge ‘Adão’, der schönste Platz, um den Tag ausklingen und die Seele baumeln zu lassen. Fusion Cooking ist hier Trumpf, portugiesische und internationale Spezialitäten, die mit dem Meer verbunden sind, darunter Riesengarnelen, Venusmuscheln, das algarvetypische Thunfisch-Carpaccio ‘Muxama’, Tacos und Ceviche, aber auch vegetarische Gerichte. Freitags bis sonntags gibt es Livemusik. Währenddessen senkt sich vor der Tür nächtliche Ruhe über den Yachthafen, die Lichter der Bootsstege tanzen auf dem Wasser. Der Tag in Faro geht zu Ende.

Abendstimmung am Hafen

Anm.: Alle hier genannten Orte und Einrichtungen arbeiten unter Beachtung der Hygieneregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie und tragen das Gütesiegel „Clean & Safe“ des portugiesischen Tourismusverbandes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.