Alle Artikel mit dem Schlagwort: Dourotal

Keine Zeit für Nostalgie

Verdammt lang her: Lissabon war noch ein Geheimtipp, Porto nur etwas für Weinliebhaber und in Sagres gab es keine „letzte Bratwurst vor Amerika“. Die guten alten Zeiten? Nein, sagen meine Freunde in Portugal, und heilen mich auf einer Reise im Spätsommer 2020 von der Saudade, der portugiesischen Wehmut, mit der sie mich vor drei Jahrzehnten angesteckt hatten.   Die Reise beginnt im Norden, wo ich vor 35 Jahren mit dem Zug vom spanischen Galicien kommend in Valença do Minho ankam und zum ersten Mal portugiesischen Boden betrat. Nach einer umständlichen Pass- und Zollkontrolle auf dem Bahnsteig ging es weiter nach Viana do Castelo, wo ich José Tomás kennenlernte. Er und seine Studentenclique campten wild am Strand, was kein Problem war. Bei der zweiten Flasche „Super Bock“ sagte er, ich solle ihn „Zé“ nennen. Porto: Harry Potter kann warten Im September 2020 sehe ich Zé zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder. Der 52-jährige Architekt zeigt mir, warum Portugals zweitgrößte Stadt ein Hotspot der zeitgenössischen Baukunst ist. Sein Diplom machte Zé Anfang der 1990er Jahre an …

Weinernte im Alto Douro

Wein mit Tradition – die älteste deklarierte Weinregion der Welt entstand im Jahr 1756. Unsere Autorin hat die Weinernte in Nordportugal hautnah miterlebt. José, seine Frau, zwei weitere Paare, zwei einzelne Frauen und ich sind an diesem Freitag Ende September auf der Quinta da Pacheca um mitzuerleben, wie Wein gemacht wird. Unser Guide Hugo begrüßt uns und gibt jedem ein T-Shirt und einen Sonnenhut. Die Quinta da Pacheca befindet sich in der Weinregion Alto Douro. Die Landschaft mit den steilen Ufern und Weinfeldern ist seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Und nur hier, in diesem speziellen Klima, wird der Portwein hergestellt. Die Trauben werden von Hand geerntet und für einige Sorten wird der Wein noch mit den Füßen gestampft. Und deswegen sind wir hier – um Trauben zu ernten und Wein zu stampfen. Aber erst mal gibt es Frühstück. Zwiebelsuppe, Sardinen & Wein „Wir möchten so authentisch wie möglich vermitteln, wie ein traditioneller Tag Weinernte abläuft“, sagt Hugo, als er unsere erstaunten Blicke sieht. Jeder hat eine Zwiebelsuppe vor sich stehen. Ich weiß nicht – Zwiebelsuppe zum Frühstück? …

Zugreise durch das Dourotal mit Presidential Train

Nächster Halt: Ein königliches Reiseerlebnis – Zugfahrt durch das Dourotal

Wer sich auf die Spuren vergangener portugiesischer Königsdynastien begibt, findet sich während seiner Suche bestenfalls am historischen Bahnhof São Bento in Porto ein. Denn hier, auf dem Gelände des früheren Klosters Mosteiro de São Bento de Avé-Maria, beginnt eine Reise zurück ins späte 19. Jahrhundert. Am Gleis angekommen wartet schon der Presidential Train darauf, das schöne Dourotal mit seinen Mitfahrern zu entdecken. Der geschichtsträchtige Zug wurde 1890 für die letzte portugiesische Königsfamilie in Dienst gestellt. Bis Anfang der 1970er Jahre galt er als luxuriöses Transportmittel für Staatsoberhäupter und natürlich auch Präsidenten, die der Bahn den Namen gaben. Von dort an verlor der Presidential Train zunächst an Bedeutung. Doch mit dem zunehmenden Tourismus im Dourotal entschied man sich 2010 dazu, den Zug nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder auf die Schienen zu setzen. Der Belle Époque Stil, der für die Zeit der damaligen Lok stand, ist klar zu erkennen und wurde bestmöglich erhalten. So ist es nun, dass jeden Samstagvormittag 64 Gäste im Presidential Train Platz finden und ihre Reise ins Obere Dourotal bis zum rund 200 Kilometer …

Portwein Ramos Pinto Porto

Portwein: die Mutter der Weine

Eine hölzerne Fähre verbindet Portos Altstadt mit Vila Nova de Gaia auf der anderen Seite des Flusses. Dort reihen sich im Dauer-Schatten der nach Süden steil aufsteigenden Berge die Portwein-Kellereien berühmter Marken wie Ramos Pinto oder Sandeman aneinander. Die Winzer bauen die Trauben im oberen Douro-Tal rund 100 Kilometer flussaufwärts an. Dort wird es im Sommer wochenlang bis zu 45 Grad heiß und im Winter sehr kalt. 1756 erhielt das extrem trockene Weinbaugebiet als erstes weltweit die geschützte Herkunftsbezeichnung Domaine d’Origine Controlée D.O.C. Über Jahrhunderte brachten die Weinbauern ihre Ernte auf offenen hölzernen Segelbooten, den Rabelos, in Holzfässern den Fluss hinunter in die Kellereien von Vila Nova de Gaia. Seit Lastwagen diesen Job übernommen haben ruhen viele der historischen mit Weinfässern beladenen Boote als Dekoration am Flussufer. Nach zwei bis fünf Tagen stoppen die Kelterer die Fermentierung des Weins, indem sie rund 20 Prozent Branntwein hinzugeben. Blender mischen aus den verschiedenen Weinen in jeder Kellerei eigene Kreationen, die anschließend in Eichenfässern, Flaschen oder Stahltanks reifen. So entstehen die Sorten Ruby (rubinrot), Tawny (gelb-braun) und die …