Kunst & Kultur
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Marbella: Internationale Kunst auf der Vernissage unter Palmen

Sholeh Abghari Event Open Air

Auf Streifzug durch Marbellas Galerien-Szene unter Palmen lernt man die Stadt von einer ganz neuen Seite kennen.

Harlekin-Hose, goldenes Hemd mit Spitzkragen im Stil der 70er Jahre und eine Polaroid Leica: Hubertus von Hohenlohe ist so Pop Art wie seine Werke, die er im Sommer 2021 auf der Vernissage von „Narcistic Overload“ in der Galeria de Arte Contemporánea Isolina Arbulo vorstellt. Die Galerie liegt versteckt zwischen Palmen in einer Villa an der „Goldenen Meile“, nicht weit vom legendären Marbella Club Hotel entfernt, das von seinem Vater Alfonso Prinz zu Hohenlohe gegründet wurde und in dem Hubertus in den 1960er Jahren aufwuchs. Einige Vertreter des damaligen Jetsets, mit denen der kleine Hubertus Umgang hatte, sowie neuere Ikonen der Popkultur sind auf den digital entfremdeten Fotografien von „HvH“ zu sehen: Brigitte Bardot, Andy Warhol, Karl Lagerfeld, Zinédine Zidane…

Das Event ist gut besucht: Es ist Hochsaison und es gibt Moët & Chandon. Die Gastgeberin Isolina Arbulo wurde 1970 in Peru geboren, betreibt ihre Ausstellungsräume seit 2018 und ist Mitglied von MUAC (www.galeriasdemarbella.com). Ins Leben gerufen wurde der Verband mit insgesamt sieben Galerien von Marifé Nuñez. Die Designerin und Malerin betreibt die Es Arte Gallery in der Nähe des Yachthafens Puerto Banús. In ihrem Portfolio finden sich sowohl einheimische als auch ausländische Künstler wie Teresa Carneiro aus Portugal, Raphael Langowski aus Brasilien oder die mexikanische Fotografin und Regisseurin Rebecca Massey.

Marifé Nuñez, Es Arte Gallery
Marifé Nuñez, Es Arte Gallery

Enormes Potenzial

Auf junge Kunst aus Lateinamerika und Deutschland spezialisiert ist Reiners Contemporary Art, betrieben von der 1984 in Brasilien geborenen Galeristin und Sammlerin Flor María Reiners. Sie hat 12 Jahre in Deutschland gelebt, Literatur und Kunst studiert und ihr Handwerk zwischen Berlin, Köln und Düsseldorf erlernt. 2018 wagte sie den Schritt zur Eröffnung ihrer eigenen Galerie in Marbella. „Verglichen mit Basel, Köln oder Madrid spielt Marbella noch eine kleine Rolle auf dem globalen Kunstmarkt. Doch das Potenzial ist enorm. Die Stadt ist ein Magnet für Wohlhabende aus aller Welt, die hier Urlaub machen oder ein Haus kaufen. Unsere Aufgabe ist pädagogischer Art und zielt darauf ab, Menschen für zeitgenössische Kunst zu begeistern“, berichtet die Galeristin, die rund 20 Namen vertritt.

„Meine Galerie ist ein Raum, in dem Brasilien und Deutschland Platz finden – zwei Länder, die für mich Heimat sind, in professioneller und emotionaler Hinsicht“. Die Galeristin fördert einen sozialen und politischen Dialog, den sie im Sommer 2021 mit der Ausstellung „Revolutions Per Minute: Side B“ nach Afrika ausweitet: In der Schau präsentiert sie Werke von Idowu Oluwaseun. Der Maler wurde 1982 in Nigeria geboren, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und lebt derzeit in Houston. Es sind großformatige Acrylbilder in hyperrealistischer Manier mit Menschen aus seiner Heimat, wie Oluwaseun sie in seiner Jugend vor dem Internetzeitalter erlebt hat: Als stolze Besitzer von Radios, Schallplatten und Kassettenrekordern, die mit ihren Objekten posieren. Ihre Gesichter hüllt der Maler geheimnisvoll in Stoffe. Vor einem kleineren Bild, das für wenige Tausend Euro zu haben ist, erklärt Flor ihre Philosophie: „Schon als Studentin, als ich gerade mal so über die Runden kam, habe ich Bilder gekauft. Kunst ist lebensnotwendig, kein entrücktes oder elitäres Phänomen“.

Auf hohem Niveau

Diese Idee teilt auch Sholeh Abghari, wenn auch aus einer anderen Perspektive. Die aus dem Iran stammende Galeristin betreibt die Sholeh Abghari Art Gallery. Als einzige der MUAC-Mitglieder liegt ihre Galerie mitten im Zentrum, nicht irgendwo, sondern in bester Lage an der Avenida Ricardo Soriano zwischen Luxusboutiquen und 5-Sterne-Hotels. Sholeh Abhgari vertritt iranische Künstler und Künstlerinnen verschiedener Generationen, die traditionelle persische Kunst mit Pop-Art und anderen westlichen Strömungen verbinden.

Hochkarätige Kunst der Moderne und Gegenwart kann man in Marbella nicht nur in privaten Galerien bewundern, sondern auch auf der Straße, in interessanten Museen sowie in Hotels. Zwischen der Strandpromenade und der Altstadt wecken 10 Bronzeskulpturen von Salvador Dalí die Neugier der Passanten. Die surrealistischen Werke an der Avenida del Mar wie „Der Kosmische Elefant“ sind beliebte Motive für Instagram & Co, auch wenn sich die Fachleute darüber streiten, ob es sich um Originale oder Repliken handelt. In der Altstadt zeigt das Museo del Grabado Español Contemporáneo in einem Renaissancepalast Zeichnungen, Lithografien, Radierungen und andere grafische Werke von Picasso über Tàpies bis Miró. Auch renommierte Hotels wie FUERTE MARBELLA und GRAN MELIA DON PEPE organisieren Kunstausstellungen.

Museo del Grabado Español Contemporáneo, Presse, Oliver Sdrojek
Museo del Grabado Español Contemporáneo, Bild: Oliver Sdrojek

Auf sehr hohem Niveau agiert die Badr el Jundi Contemporary Art Gallery im Anantara Villa Padierna Palace. Sie befindet sich im neoklassizistischen Haupthaus und in der parkähnlichen Gartenanlage des Resorts, das zu den „Leading Hotels of the World“ zählt.

Tony Cragg: „Sindbad“ (2000), Badr el Jundi Contemporary Art Gallery
Tony Cragg: „Sindbad“ (2000), Bild: Badr el Jundi Contemporary Art Gallery

Eine Horizonterweiterung

Badr el Jundi ist ein Kunsthändler libanesischer Abstammung, der in verschiedenen Ländern Europas, Asiens und Amerikas gelebt hat. Die von ihm präsentierten Werke sind eine Horizonterweiterung und bilden einen Kontrast zu den Gemälden und Skulpturen vergangener Jahrhunderte, mit denen die Villa Padierna dekoriert ist. Die Grenzüberschreitung beginnt schon in der Lobby: Dort stößt man zwischen Marmorsäulen im antiken Stil auf „The Towering Twins“ von Moffat Takadiwa aus Simbabwe. Das schillernde Objekt ist aus Plastikmüll gefertigt. Badr el Jundi will kulturelle Gräben überbrücken und das intellektuelle Wachstum fördern. Die opulente Kulisse der Villa Padierna nutzt er auch für das digitale Projekt „Living Room“. Hier stellen 4 junge spanische Künstlerinnen ihre multimedialen Arbeiten live per Videokonferenz vor.

Moffat Takadiwa: „The Towering Twins“ (2020), Badr el Jundi Contemporary Art Gallery
Moffat Takadiwa: „The Towering Twins“ (2020), Bild: Badr el Jundi Contemporary Art Gallery

OLIMAR Tipp

Marbella zeichnet sich nicht nur durch vielfältige Kulturangebote aus, sondern lockt seine Besucher auch mit einem belebten Stadtstrand, der Playa de Casablanca. So lässt sich der Stadtbummel ideal mit einem Strandaufenthalt verbinden. Um diese spannende Stadt zu entdecken, empfiehlt sich das direkt in der Innenstadt gelegene HOTEL SENATOR MARBELLA als Ausgangspunkt. Das Highlight ist die Dachterrasse mit Pool und Panoramablick. Außerdem erreicht man in nur 5 Minuten zu Fuß die wunderschöne Strandpromenade. Für Nachtaktive und Gourmets bietet sich das HOTEL H10 ESTEPONA PALACE an, denn in unmittelbarer Nähe befinden sich zahlreiche Restaurants und Bars. Auch Aktivurlauber kommen hier auf Ihre Kosten: das Hotel verfügt über Fahrrad-Garagenplätze und verleiht zudem verschiedene Modelle mit denen sich der Ort erkunden lässt.

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