Autor: Oliver Sdrojek

Keine Zeit für Nostalgie

Verdammt lang her: Lissabon war noch ein Geheimtipp, Porto nur etwas für Weinliebhaber und in Sagres gab es keine „letzte Bratwurst vor Amerika“. Die guten alten Zeiten? Nein, sagen meine Freunde in Portugal, und heilen mich auf einer Reise im Spätsommer 2020 von der Saudade, der portugiesischen Wehmut, mit der sie mich vor drei Jahrzehnten angesteckt hatten.   Die Reise beginnt im Norden, wo ich vor 35 Jahren mit dem Zug vom spanischen Galicien kommend in Valença do Minho ankam und zum ersten Mal portugiesischen Boden betrat. Nach einer umständlichen Pass- und Zollkontrolle auf dem Bahnsteig ging es weiter nach Viana do Castelo, wo ich José Tomás kennenlernte. Er und seine Studentenclique campten wild am Strand, was kein Problem war. Bei der zweiten Flasche „Super Bock“ sagte er, ich solle ihn „Zé“ nennen. Porto: Harry Potter kann warten Im September 2020 sehe ich Zé zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder. Der 52-jährige Architekt zeigt mir, warum Portugals zweitgrößte Stadt ein Hotspot der zeitgenössischen Baukunst ist. Sein Diplom machte Zé Anfang der 1990er Jahre an …

Keine Zeit für Nostalgie (Teil 3)

Im dritten Teil meiner Tour der Erinnerungen an die „guten, alten Zeiten“ ist die letzte Station meiner Reise durch Portugal die Algarve. Hier treffe ich Sabine und Paulo, die an der Küste Ferienwohnungen vermieten. Zum 2. Teil der Story – Lissabon: Hippster in der Pinkstreet Algarve: Der Infante auf Instagram Goldgelb, feuerrot und ultra-violett: Der Sonnenuntergang an der Südwestspitze Europas ist ein Naturschauspiel, das unter die Haut geht. Am Himmel und auf der Oberfläche des Atlantiks zaubert die Sonne eine fantastische Farbshow, die ich 70 Meter über dem Meer bei Sagres am Cabo de São Vicente erlebe. Das Kap ist seit der Steinzeit ein heiliger Ort, in der Antike war das „Promontorium Sacrum“ das Ende der Welt. Zum ersten Mal war ich hier Anfang der 1990er Jahre. Am Kap des heiligen Vinzenz, auf dem ein Leuchtturm bis zu 32 Seemeilen lange Lichtkegel in den Ozean schleudert, und auf dem Felsplateau mit der „Fortaleza de Sagres“, wandelte ich auf den Spuren von Heinrich dem Seefahrer, dem „Infante Dom Henrique“, der ab 1418 die Westküste Afrikas erkunden …

Keine Zeit für Nostalgie (Teil 2)

Es geht weiter mit meiner Reise durch die „guten, alten Zeiten“. Auf meiner Tour durch Portugal mache ich diesmal halt in Lissabon. Was hat sich in 35 Jahren verändert? Vieles! Zum 1. Teil der Story – Porto: Harry Potter kann warten Lissabon: Hipster in der Pinkstreet 18 Uhr im „Café Nicola“ am Rossio-Platz. In Lissabons ältestem Kaffeehaus treffe ich mich mit Sónia, einer alten Freundin, die aus Madeira stammt und die ich vor 25 Jahren als Erasmus-Student an der Uni Lissabon kennengelernt hatte. Sónia ist 47, arbeitet in der Kulturszene, skypt morgens mit London und abends mit São Paulo. Im Nicola wollte sie sich eigentlich nicht mit mir treffen, „zu touristisch“, sagt sie. Trotzdem trinken wir auf der Terrasse ein „Imperial“, wie ein kleines Fassbier in Lissabon genannt wird. Wir überblicken den Platz mit den symmetrischen Häuserzeilen aus der Zeit nach dem Erdbeben von 1755. An jeder Ecke parken Tuk-Tuks, die Fahrer hängen am Smartphone und warten auf Kundschaft. „Inzwischen tun sie mir leid. Drei Monate Lockdown, und jetzt nicht einmal halb so viel Geschäft“, sagt …

Aktuelle Situation in Andalusien – eine Fotostory in Corona-Zeiten

OLIMAR Kollege Oliver lebt und arbeitet in Málaga, in Andalusien. Da uns von Kunden immer wieder besorgte Fragen erreichen, wie die aktuelle Situation in Spanien sei und ob man in den nächsten Wochen dorthin Reisen und entspannt Urlaub machen kann, haben wir Oliver gebeten, uns einen kleinen Einblick in den momentanen Alltag in Andalusien zu geben. Hier kommt seine Fotostory. Andalusien atmet auf: Seit dem 8. Juni befinden sich alle 8 Provinzen der südspanischen Region in „Phase 3“. Das ist die letzte Stufe des Plans auf dem Weg zur „Neuen Normalität“, die ab 22. Juni für ganz Spanien vorgesehen ist. In Andalusien, das etwas gröβer ist als NRW und Niedersachsen zusammen, leben ca. 8,4 Millionen Menschen. Andalusien gehört zusammen mit den Balearen und Kanaren zu denjenigen Autonomen Regionen Spaniens, in denen die Corona-Pandemie nicht so schlimm gewütet hat. Das Infektionsgeschehen ist seit vielen Wochen unter Kontrolle und entspricht in etwa dem des Nachbarlandes Portugal, das bekanntlich gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Seit 8. Juni können sich die Andalusier endlich frei innerhalb ihres Territoriums bewegen …

Elio Vicente Montanha Verde

Algarve-Aufforstungsprojekt „Montanha Verde“ – ein Interview

Der Meeresbiologe Élio Vicente hat an der Universität Faro studiert. Seit 1991 arbeitet er im Freizeitpark „Zoomarine“ in Guia bei Albufeira an der Algarve. 2016 rief er die „Operação Montanha Verde“ ins Leben, ein ambitioniertes Algarve-Aufforstungsprojekt, das von OLIMAR unterstützt wird. Warum und wie entstand das Projekt „Operação Montanha Verde“? Élio Vicente: Im Sommer 2016 wüteten hier an der Algarve schwere Waldbrände. Schwer betroffen war auch die Serra de Monchique, das höchste und am dichtesten bewaldete Gebiet im Süden Portugals. Als Meeresbiologe und langjähriger Mitarbeiter bei Zoomarine hatte ich bis dahin vor allem mit dem Schutz der maritimen Flora und Fauna zu tun. Bei einem Besuch der Serra de Monchique erfasste mich beim Anblick der verkohlten Baumskelette der Horror. Mir wurde schlagartig klar, dass ich als Biologe auch eine Verantwortung für die erdgebundenen Ökosysteme habe. Ähnlich erging es auch vielen meiner Kollegen und Kolleginnen bei Zoomarine. Gemeinsam riefen wir eine Aufforstungsinitiative ins Leben. Direkt damit in der Serra de Monchique anzufangen war noch nicht möglich, da sich das Gelände erst einmal erholen musste. Also wählten …