Autor: Gustav Wittich

Monsaraz im Alentejo

Wenn Steine erzählen könnten…

…wäre es im Alentejo alles andere als still. Die rund 7.000 Jahre alte Geschichte mit unerwartet reicher Kulturvielfalt überrascht und kann durchaus ungläubiges Staunen auslösen. Dabei liegen viele Schätze oft dort, wo man sie am wenigsten vermutet, jenseits der großen Verkehrswege im gefühlten Nirgendwo – so manch reizende Zufallsbekanntschaft inklusive. Dennoch steht der Besuchermagnet schlechthin am Anfang. An Évora, der größten Stadt und dem kulturellen Herzen des Alentejo, führt einfach kein Weg vorbei. Denn der historische, von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgebene Kern birgt für sich allein schon das Vermächtnis von mehr als 2.000 Jahren Geschichte. Es reicht vom römischen Tempel und der romanisch-gotischen Kathedrale über manuelinische und barocke Juwelen bis zur schaurig-schönen Knochen-Kapelle und den engen Gassenviertel, die ihren maurischen Ursprung nicht leugnen können. Ausgesprochen vorteilhaft: Das Zentrum, das 1986 in den illustren Kreis der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen wurde, ist angenehm überschaubar und lässt sich bequem per pedes erkunden. Und es punktet nicht nur mit seinen Monumenten, sondern als Gesamtensemble mit gewachsener Urbanität. Dabei strahlt die knapp 55.000 Einwohner zählende Distriktmetropole – und Universitätsstadt – keinesfalls …

Leuchtturm Portugal

Leitsterne der Küste: Portugals Feuertürme

An der Schnittstelle von Land und Meer gelegen, üben Leuchttürme seit jeher eine magische Faszination aus. Für die Seefahrernation Portugal, die einst das Zeitalter der Entdeckungen einläutete, sind sie zudem von hohem kulturellem Wert – tragen sie doch ihren Teil zur ruhmreichen maritimen Geschichte des Landes bei.Das Schöne ist: Über die Hälfte, davon mehr als ein Dutzend auf dem Festland, kann kostenfrei besichtigt werden, immer mittwochs nachmittags, im Winter von 13:30–16:30 Uhr und im Sommer von 14:00–17:00 Uhr. Der portugiesische Name für Leuchtturm, »farol«, leitet sich wie in allen anderen romanischen Sprachen von dem ältesten bekannten Leuchtfeuer überhaupt und einem der sieben Weltwunder der Antike, dem Pharos von Alexandria, ab. Portugals Leitsterne der Küste unterstehen der »Direção de Faróis«, einem Verwaltungsorgan der »Autoridade Marítima Nacional«, der nationalen Seeverkehrsbehörde. Die »Direktion der Leuchttürme« hat ihren Sitz in Paço de Arcos, knapp 15 km westlich von Lissabon, und weist offiziell 51 – noch aktive – Leuchttürme aus: 29 entlang der Festlandsküste, sieben auf der Inselgruppe Madeira und 15 auf dem Azoren-Archipel. Hinzu kommen über 500 Molenfeuer und …

Alentejo Passadicos do Alamal

Passadiços in Portugal: Der hölzerne Boom

Am Rand steiler Klippen und Schluchten, über Dünen an endlosen Stränden, durch verwunschene Berg- und Tallandschaften: Der neueste Outdoor-Trend in Portugal erschließt auf Passadiços, Holzbohlenwegen, einige der faszinierendsten Naturräume des Landes. Und das eben nicht nur Wanderern, sondern einem breiten Publikum. Den UNESCO Global Geopark Arouca in der wildromantischen Bergwelt der Serra da Freita rund 75 km südöstlich von Porto hatten bis 2015 auch eingefleischte Portugal-Liebhaber nicht auf dem Schirm. 41 Geofundorte mit seltenen Erscheinungen wie »gebärenden Steinen« und Riesentrilobiten sind bemerkenswert, aber kein Touristenmagnet. Das änderte sich mit den Passadiços do Paiva. Entlang der Steilschlucht des Rio Paiva schuf man einen 8,7 km langen, spektakulär in die Felskulisse installierten Holzweg, der sich teils im Zickzackkurs mit über 1.000 Stufen aus den Tiefen zweier Flussstrände heraus- und wieder hinunterwindet. Die reine Gehzeit beträgt 2,5 Stunden. Seit dem Frühjahr 2021 ist die einmalige Szenerie um ein weiteres Highlight reicher: 175 m hoch über dem Fluss überspannt die stählerne Gangway der 516 Arouca als längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt die Schlucht. Lest hierzu gerne auch unseren Artikel 516 …

Lissabons Küsten Cabo Da Roca Leuchtturm

Panorama-Wandern im wilden Westen

Das 140 m hohe, wind- und wellenumtoste Cabo da Roca ca. 15 km nördlich von Cascais markiert den westlichsten Punkt Festlandeuropas. Wanderer finden im direkten Umfeld spektakuläre Klippenpfade, über die sich auch mehrere romantische Naturstrände erreichen lassen. Der westlichste Punkt des europäischen Festlands „Aqui… onde a terra se acaba e o mar começa“, „Hier… wo das Land endet und das Meer beginnt“: Diese Worte des portugiesischen Nationaldichters Luís de Camões (1524–1580) zieren einen steinernen, von einem Kreuz gekrönten Obelisken am Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Festlandeuropas. Das 140 m hohe, von den Atlantikwellen und -winden umtoste „Felskap“ 40 km westlich von Lissabon galt bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts als das Ende der damals bekannten Welt. Sein unübersehbares Wahrzeichen ist der 22 m hohe Leuchtturm. Er wurde als einer der ältesten des Landes 1772 in Betrieb genommen und erhielt 1842 seine heutige Form. 1982 wurde der Leuchtturm an das regionale Stromnetz angeschlossen und im Jahr 1990 schließlich an die Automatisierung. Das 1.000 Watt starke Licht kann aus über 45 km Entfernung gesehen werden. Das …

Portugals Junge Winzer laufend

Weinland Portugal: The next Generation

„Faço slow wine“ – „Ich mache Slow Wine“, sagt António Maçanita, Jahrgang 1980 und Portugals Winzer des Jahres 2018. Er steht in der ersten Reihe einer neuen Generation junger Önologen, die unkonventionell, detailversessen und nachhaltig die hiesige Weinwelt revolutionieren und hochdotierte Tropfen kreieren. Die Mutter stammt aus dem Alentejo, der Vater von der Azoreninsel Pico. Kindheit und Jugend des in Lissabon geborenen António Maçanita sind von einer so starken Verbindung zur größten Insel der Azoren, São Miguel, geprägt, dass er kurzzeitig mit dem Beruf Meeresbiologe liebäugelt. Doch er entscheidet sich für das Studium der Agrarindustrie mit Schwerpunkt Önologie. Während und nach seiner Studienzeit absolviert er vier mehrmonatige Praktika bei innovativen Winzern im kalifornischen Napa Valley, in Australien und Bordeaux, bevor er eine Anstellung beim Weingut Herdade da Malhadinha Nova im Alentejo findet. Hier produziert er 2004 gemeinsam mit David Booth, den er zuvor eher zufällig bei einem Familienessen kennenlernte, seinen ersten eigenen Wein. Ein ungewöhnliches Duo bildet den Anfang António, seinerzeit nicht mal 24, und David, ein 15 Jahre älterer, englischer Weinbauberater, sollten schnell alle …

Naturparks Azoren

Land der sieben Wunder – Portugals Naturparks

»Wunder gibt es immer wieder…«: Viele Portugiesen glauben fest daran, man denke nur an Fátima. Und sie wählen ihre Wunder sogar. Der Naturreichtum Portugals ist kein Wunder, aber sicher ganz wunderbar. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er schon seit geraumer Zeit durch Naturparks und Naturschutzgebiete konsequent und stetig nachhaltiger geschützt wird. Alles begann mit der feierlichen Bekanntgabe der »New 7 Wonders of the World®« in Benfica Lissabons Fußballtempel Estádio da Luz am 07.07.2007, die zuvor von rund 100 Millionen Menschen weltweit gewählt wurden. Diesen Giga-Event, der per TV in über 170 Ländern ausgestrahlt wurde, nutzte das Land Portugal, um parallel seine »7 Wunder Portugals« zu küren, in diesem Fall die bedeutendsten historischen Bauwerke. Das Projekt 7 Maravilhas de Portugal®, das vor allem das Bewusstsein für die Schätze des eigenen Landes schärfen soll, fand großen Anklang. So wurden von 2009 bis 2020 achtmal die »7 Wunder Portugals« gewählt, u. a. in den Bereichen Strände, Gastronomie, schönste Dörfer und volkstümliche Kultur. Das Prozedere ist immer gleich: Eine Fachjury und ein Expertenrat selektieren die 21 Finalisten in sieben …