Kunst & Kultur
Schreibe einen Kommentar

Wenn Steine erzählen könnten…

Monsaraz im Alentejo

…wäre es im Alentejo alles andere als still. Die rund 7.000 Jahre alte Geschichte mit unerwartet reicher Kulturvielfalt überrascht und kann durchaus ungläubiges Staunen auslösen. Dabei liegen viele Schätze oft dort, wo man sie am wenigsten vermutet, jenseits der großen Verkehrswege im gefühlten Nirgendwo – so manch reizende Zufallsbekanntschaft inklusive.

Dennoch steht der Besuchermagnet schlechthin am Anfang. An Évora, der größten Stadt und dem kulturellen Herzen des Alentejo, führt einfach kein Weg vorbei. Denn der historische, von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgebene Kern birgt für sich allein schon das Vermächtnis von mehr als 2.000 Jahren Geschichte. Es reicht vom römischen Tempel und der romanisch-gotischen Kathedrale über manuelinische und barocke Juwelen bis zur schaurig-schönen Knochen-Kapelle und den engen Gassenviertel, die ihren maurischen Ursprung nicht leugnen können.

Ausgesprochen vorteilhaft: Das Zentrum, das 1986 in den illustren Kreis der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen wurde, ist angenehm überschaubar und lässt sich bequem per pedes erkunden. Und es punktet nicht nur mit seinen Monumenten, sondern als Gesamtensemble mit gewachsener Urbanität. Dabei strahlt die knapp 55.000 Einwohner zählende Distriktmetropole – und Universitätsstadt – keinesfalls nur musealen Charme aus, sondern auch eine heitere Atmosphäre, die überall auf einladenden Plätzen und in der stimmungsvollen Fußgängerzone zu spüren ist. Planen Sie wenigstens zwei, besser drei Tage Aufenthalt ein, den Besuch eines hochkarätigen Weinguts und wenigstens einer der nachfolgenden, jungsteinzeitlich alten Sehenswürdigkeiten im nahen Umfeld inklusive.

Castelo de Vide Gasse Altstadt
Gasse in Castelo de Vide

Zeugnisse der ersten Menschen

Nirgendwo sonst auf der iberischen Halbinsel gibt es so viele Dolmen und Menhire wie im Alentejo, darunter über 150 Megalithbauten nur im Distrikt von Évora! Eine halbe Autostunde westlich der Stadt erwartet Sie eines der diesbezüglich bedeutendsten Monumente seiner Art in ganz Europa: der aus 95 Granitsteinen bestehende Cromeleque dos Almendres mit zwei kreis- bzw. ovalförmigen Anordnungen. Sein Entstehungszeitraum wird 2.500-3.000 Jahre älter als Stonehenge geschätzt.

Cromeleque dos Almendres Alentejo
Cromeleque dos Almendres im Alentejo

Ein weiteres Paradeexemplar der vorgeschichtlichen Zeit befindet sich quasi nur einen Steinwurf entfernt: Die gern als »Kathedrale der Steinzeit« bezeichnete Anta Grande do Zambujeiro ist das größte Megalithgrab Portugals. Um den Menhir da Meada, den höchsten Menhir der Iberischen Halbinsel (7 Meter), bestaunen zu können, müssen Sie jedoch den Standort wechseln. Denn dieser liegt rund 130 Kilometer entfernt bei Castelo de Vide im äußersten Nordosten der Region.

Unser Buchtipp: »Megalithkultur im Alentejo« von Gerhard Pilz, Independently published, 2020

Das römische und maurische Erbe

In der Ära der Römer, die im Alentejo im 2. Jahrhundert v. Chr. begann und im 5. Jahrhundert n. Chr. endete, erlebte die Region ihre erste bedeutende Blütezeit. Ausgrabungsstätten aus jenen Tagen verteilen sich über die gesamte Provinz. Unübersehbar, nicht nur in der Architektur, ist auch das Vermächtnis der Mauren, die ab dem 8. Jahrhundert annähernd 500 Jahre lang im Süden Portugals herrschten. Viele Burgen der Reconquista, der christlichen Wiedereroberung, sind arabischen Ursprungs, und etliche Kirchen wurden über ehemaligen Moscheen errichtet. Im südalentejanischen Mértola, der »maurischsten« aller portugiesischen Städte, ist dieses Erbe am deutlichsten zu spüren. Ohne die Mauren könnten Sie heute die Beschaulichkeit der Alentejo-Dörfer mit ihren weiß getünchten Häusern und verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gassen nicht genießen…

Igreja Matriz De Mertola
Igreja Matriz De Mértola

Burgenromantik über weißen Dörfern

Sie gehören – im wahrsten Sinne des Wortes – zu den absoluten Sightseeing-Höhepunkten des Alentejo: Die vielen mittelalterlichen Burgen und Festungen, die mehr oder weniger gut erhalten fast immer über schmucken, weißen Dörfern thronen. Ihre Anzahl ist schlichtweg beeindruckend! Geschichtlich bedingt, findet man den größten Teil der Burgenwelt entlang der frühmittelalterlichen Territorialgrenzen und vor allem entlang der heutigen Grenzen zwischen dem Alentejo und den spanischen Nachbarregionen Extremadura und Andalusien. Berühmteste Aushängeschilder sind der Festungsort Marvão aus dem 9. Jahrhundert, der sich wie ein Adlerhorst 863 Meter hoch im Naturpark des São Mamede-Gebirges erhebt, die unweit nördlich gelegene Kleinstadt Castelo de Vide mit einem der besterhaltenen medievalen Ortsbilder Portugals und Monsaraz, eines der zugleich kleinsten und schönsten Dörfer des Landes in atemberaubender Lage über dem Alqueva-Stausee. Allen gemeinsam sind eine ureigene Geschichte, weite Panoramablicke auf das Umland und fast immer ein Romantik-Flair vom Feinsten.

Évora Alentejo Stadt
Évora

Goldenes Zeitalter und barocke Pracht

Im Zeitalter der Entdeckungen erlebte Portugal durch die Reichtümer der Überseekolonien die glanzvollste Epoche seiner Geschichte. Auch der Alentejo profitierte von dem neu gewonnenen Wohlstand – war doch Évora im 15. und 16. Jahrhundert die sogenannte »zweite Hauptstadt«, in der mehrere Könige der ersten und zweiten Dynastie alternativ Hof hielten. Natürlich fehlt die Opulenz à la Lissabon. Aber die verschwenderischen Marmorarbeiten, die kostbaren Fresken und die vergoldeten Holzschnitzwerke, die über die ganze Region verstreut zahlreiche Paläste, Adelssitze, Kirchen und Klöster zieren, setzen echte Ausrufungszeichen.

Kathedrale von Évora Dach
Kathedrale von Évora

OLIMAR Tipp

Der Alentejo ist ein echter Geheimtipp, nicht nur aufgrund der wunderbaren und ursprünglichen Landschaft, sondern auch weil es hier einzigartige Schätze zu entdecken gibt. Für besonders Geschichtsinteressierte haben wir einen speziellen Hoteltipp: Das HOTEL MUSEU. Seinen Namen hat es einer besonderen Gegebenheit zu verdanken. Bei seiner Errichtung stieß man auf maurische Überreste sowie – noch etwas tiefer gelegen – eine römische Lagerhalle. So genießen Gäste nicht nur eine komfortabel-moderne Ausstattung und freundlichen Service mit Kompetenz… sondern können auch seltene Exponate der Ausgrabungen im hoteleigenen Museum bewundern. Die reizende Altstadt von Mértola ist fußläufig erreichbar. Das entspannte Flair und die Ruhe des Alentejo lassen sich allerdings auch im HOTEL DA BARROSINHA genießen. Hier logiert man in modern eingerichteten Zimmern und Suiten oder voll ausgestatteten Appartements – eingebettet in einem 2000 Hektar großen Landgut. Außerdem gibt es einen Weinkeller sowie eine landestypische Taverne, in der man regionale Köstlichkeiten geboten bekommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.