Kunst & Kultur
Schreibe einen Kommentar

Batalha – Symbol der portugiesischen Geschichte

Mittelportugal Kloster Batalha Außenansicht

Es gibt in Portugal viele Orte voller Historie, deren Strahlkraft bis in die Gegenwart reicht. Die kleine Stadt Batalha gehört dazu und ist gleichzeitig Wahrzeichen künstlerischer Meisterschaft und Vielfalt.

Rund zehn Kilometer südlich der zentralportugiesischen Distriktshauptstadt Leiria liegt Batalha. Die ruhigen Straßen sind fast ausnahmslos nach großen Gestalten der Landesgeschichte benannt. Der Ort selbst trägt allerdings einen martialischen Namen: ‘Batalha’ bedeutet ‘Schlacht’. Das namensgebende Gefecht war eines der Ereignisse, die in Portugal jedes Kind kennt und die prägend für die Nation waren: Am 14. August 1385 besiegten portugiesische Truppen das kastilische Heer und sicherten die Unabhängigkeit des Landes und den Thron für João I., den unehelichen Halbbruder des ohne Erben verstorbenen Königs Fernando I. Das Herrscherhaus im benachbarten Spanien, das enge Bindungen zu Fernando I. unterhalten hatte, bestritt Joãos Anspruch auf Portugals Thron. Militärisch schlecht gerüstet und zahlenmäßig unterlegen, musste das portugiesische Heer in besagtem Kampf den Untergang fürchten, was jedoch nicht geschah. Der fromme João sah darin göttlichen Beistand und lies zum Dank ein Kloster bauen. Er nannte es ‘Mosteiro de Santa Maria da Vitória’ (Kloster der Hl. Maria des Sieges), allgemein als Kloster Batalha bekannt.

Obgleich der Waffengang weiter südlich auf der Hochebene von São Jorge nahe der Stadt Aljubarrota stattfand, fiel die Wahl auf diesen Standort, denn hier war das Gelände flach, was den Bau ebenso erleichterte wie den Transport des Baustoffs: Kalkstein aus den Steinbrüchen des nahen Gebirgszuges ‘Serra de Aire’. Zudem war die Gegend wasserreich und mit dichten Korkeichen- und Kiefernwäldern bewachsen, die das Bauholz lieferten.

Ein monumentales Bauwerk

Ein kleiner Spaziergang durch den Ort Batalha lohnt sich. Alle Wege führen zu einem großen Platz und dort wird der Blick frei auf das monumentale Bauwerk, dessen ockerfarbener Stein selbst bei grauem Himmel zu leuchten scheint – ein Panorama, das innehalten lässt.

Das Kloster Batalha ist eines der größten im Land und seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe. Zwar entspricht es dem Typus anderer, zuvor in Portugal errichteter Sakralbauten wie das Kloster Santa Clara-a-Velha und die Apsis der Kathedrale von Lissabon, doch ist das Kloster Batalha, dessen Bau sich über rund 150 Jahre erstreckte, mit seinen überwiegend gotischen Elementen, zu denen sich Komponenten der portugiesischen Manuelinik und der Renaissance überreichlich gesellen, das Werk eines wahren Laboratoriums für Formen und ästhetische Optionen, das die besten Handwerker aus ganz Europa beschäftigte und in ganz Portugal Spuren hinterließ.

Beeindruckende Architektur

Das faszinierende Bild des Kloster wird im Inneren noch verstärkt: Beeindruckende filigrane Steinarbeiten und spätmittelalterliches Design, verschnörkelte Torbögen, magische Kammern und Kapellen, Skulpturen und Figuren. Der Bau eines Monuments von dieser Komplexität ist das Verdienst von Baumeistern mit Genie und Wissen. Besonders hervorgehoben seien Afonso Domingues, der seit der Grundsteinlegung im Jahr 1387 bis zu seinem Tode 1402 für das Werden des Klosters zuständig war und Kirche, Sakristei, Kapitelsaal, Refektorium und Dormitorium entwarf. Sein Nachfolger David Huguet beendete den Bau der Kirche mit gestalterischen und architektonischen Innovationen. Zu seinem Werk gehören ferner die Gründerkapelle und die berühmten sogenannten „Unvollendeten Kapellen“.

In den folgenden Dekaden arbeiteten hier viele weitere Architekten; erwähnt seien Mateus Fernandes, der zwischen 1490 und 1515 die Arbeiten leitete und für die reichlich vorhandenen Elemente der Manuelinik sorgte, der portugiesischen Variante der Spätgotik mit überbordender Gestaltung durch Ornamente wie Äste, Blätter, Früchte, Lotus und nautische Symbole wie Armillarsphären oder steinerne Schiffstaue als Verbeugung vor den Entdeckungsfahrern.

Durch das Hauptportal ins Innere

Das Hauptportal (‘Pórtico da Glória’), konzipiert von David Huguet zeigt 91 Figuren, von denen keine der anderen gleicht. Über dem Tor verlaufen sechs Archivolten, die den Übergang der Menschen in das Himmelreich darstellen. Die Christus-Figur in der Mitte hält die Weltkugel und ist umgeben von 78 Figuren: Je näher sie zur Mitte stehen, desto höher ihre Bedeutung. Musizierende Engel spielen auf alten Instrumenten: Schalmeien, Cistern, eine Laute, Portative, Bratschen, eine Zither und ein Psalterium. Um sie herum sind Päpste und Bischöfe in Stein gemeißelt. An den Seiten des Tores befinden sich Statuen der 12 Apostel, die den Baldachin symbolisch stützen.

Durch dieses Portal betritt der Besucher die Kirche, deren zentrales Schiff 32 Meter hoch ist, das entspricht einem neunstöckigen Haus. Baumeister Afonso Domingues wollte dem Göttlichen durch die schiere Höhe nahekommen. Den Altar hat er nach Osten ausgerichtet, dem Sonnenaufgang zugewandt, das Portal weist nach Westen. Die Kirche hat drei Schiffe, die ein lateinisches Kreuz formen. Hier befinden sich einige der berühmten Bleiglasfenster des Klosters. Auf ihnen stehen Gestalten der biblischen Geschichte neben Figuren aus dem Herrscherhaus des Klostergründers João I. Der größte Teil der Buntglasfenster ging durch das Erdbeben von 1755 verloren. In der Hauptkapelle und im Kapitelsaal sind jedoch bis heute die Originale aus den Jahren 1514 und 1531 zu sehen, die ein einzigartiges Spiel von Licht und Farben bieten.

Herausragende Buntglasfenster

Batalha war der erste Ort in Portugal, an dem diese Fensterkunst zur Anwendung kam, und rasch wurde die klösterliche Baustelle zum wichtigen Zentrum für Glasmalerei in Europa. Hier arbeitete 1438 bis 1450 ein Handwerkskünstler, der als Luís Alemão in den Annalen verzeichnet ist. Sein Nachname bedeutet ‘deutsch’ und es wird sein Rufname gewesen sein, abgeleitet von seiner Herkunft. Den Unterlagen zufolge kam Luís aus dem unterfränkischen Münnerstadt, wo einige Jahre zuvor beim Kirchenbau gleichfalls die in Mode gekommenen Glasfenster verbaut worden waren, deren Struktur und Motive teilweise Ähnlichkeit mit denen in Batalha aufweisen. Kunsthistoriker vermuten daher, Luís Alemão habe seine künstlerische Laufbahn in Portugal fortgesetzt.

König João I. wünschte, gemeinsam mit Königin Filipa in dem von ihm gestifteten Kloster beerdigt zu werden. Er wählte eine zentrale Halle, die heute Gründerkapelle (‘Capela do Fundador’) heißt und Standort von Portugals erstem Doppelgrab wurde. Die Architektur geht auf David Huguet zurück, der möglicherweise von den Britischen Inseln kam, vermittelt vom Adelshaus Lancaster, aus dem die Königin stammte.

Die letzte Ruhestätte des Königspaares und deren Nachfahren

Dieses Pantheon wurde auch zur letzten Ruhestätte der Nachfahren des Königspaares, unter ihnen der berühmteste Sohn: Heinrich der Seefahrer. Ein Jahr nach seinem Tod 1460 und seinem Begräbnis in der Algarvestadt Lagos wurde er ins Kloster Batalha umgebettet. Mit gefalteten Händen liegt die ihm nachempfundene Marmorstatue über seinem Sarkophag. Darunter steht sein Wappenspruch „Talant de bien fere“ (Die Gabe, es gut zu machen). Auch die Wahlsprüche der übrigen royalen Häupter, die in den Seitennischen ruhen, sind lesbar. Gründer João I. stand “por bem” – “für das Gute”, einer seiner Nachfolger und Namensvetter, João II., regierte “Pola lei e pola grai” (Für Gesetz und Gemeinschaft) – dies wurde 1911 zur Devise der portugiesischen Nationalgarde.

Im 20. Jahrhundert wurden drei weitere Königsgräber in diesem Pantheon geschaffen.

Die Kreuzgänge – Glanzstücke des Klosters

Einst besaß das Kloster vier Kreuzgänge, nur zwei blieben erhalten. Der zuerst Erbaute, der königliche Kreuzgang (‘Cláustro Real’), ist ein Glanzstück des Klosters. Einstöckig und mit vier Galerien, beeindruckt er durch die maximale Ausprägung der Gotik sowie die grüne Ruhezone des Innenhofes. Der Kreuzgang verkürzte den Mönchen die Wege in der gewaltigen Anlage, war aber auch Ort religiöser Meditation. Anfang des 16. Jahrhunderts, während der Herrschaft von König Manuel I., erhielt dieser Bereich unter der baulichen Leitung von Mateus Fernandes neue Ornamente im manuelinischen Stil.

Dort, wo Nord- und Westflügel des Kreuzgangs sich treffen, befindet sich ein Brunnen, eines der bekanntesten Fotomotive aus Zentralportugal. Tatsächlich diente dieses Schmuckstück den rituellen Waschungen der Mönche im Tageslauf.

Die „Unvollständigen Kapellen“

Der portugiesische Schriftsteller Miguel Torga schrieb in sein Tagebuch, jeder sollte die Unvollständigen Kapellen (‘Capelas Imperfeitas’) wenigstens einmal im Leben gesehen haben. Sie befinden sich an der Ostseite der Hauptkirche und sind nur von außerhalb zugänglich. Hier gibt es eine Vielzahl architektonischer Details zu sehen, unter Tageslicht, denn wie der Name besagt, sind die Kapellen unvollendet – sie hatten nie ein Dach. König Duarte I., Sohn und Thronfolger von João I., wollte hier eine eigene Begräbnisstätte für sich und seine Frau Leonor de Aragón errichten. Das 1434 vom Prinzen idealisierte Pantheon hat einen achteckigen Grundriss, auf dem sieben durch die Sakristei miteinander verbundene Kapellen stehen. Doch nach dem frühen Tod Duartes und seines Baumeisters Huguet im Jahr 1438 blieb das Werk unvollendet.

Die achte, ein halbes Jahrhundert später unter König Manuel I von dessen Architekten Mateus Fernandes gestaltete Seite besteht aus einem gewaltigen und prachtvollen Portal. 15 Meter hoch und 8 Meter breit, ist es im Stil der Manuelinik sehr üppig verziert mit steinernen Pflanzen, Ranken, Ästen, Blättern und Tierfiguren, vermutlich eine ornamentale Anleihe aus der maurischen Kunst.

Doch König Manuel I. hatte bereits Pläne für ein eigenes Kloster in Lissabon und versetzte die illustren Baumeister in die Hauptstadt, wo sie ihr Handwerk am Hieronymitenkloster (‘Mosteiro dos Jerónimos’) fortsetzen sollten. So blieb der freie Blick zum Firmament den Unvollendeten Kapellen erhalten.

Vor dem Ausgang des Klosters befindet sich ein weiterer Kreuzgang (‘Claustro de D. Afonso V.’) zweistöckig und mit einer Seitenlänge von 43 Metern. Hier gab es mehrere Räume, die im Alltag genutzt wurden: Küche, Vorratskammer, Brennholz- und Olivenöllager, Weinpresse und schlicht gehaltene Bäder. Im oberen Geschoss befanden sich Schlafräume, die Bibliothek und eine Schreibstube.

Nebenan liegt die ‘Adega dos Frades’, die Bezeichnung geht auf eine Zweckentfremdung zurück. Der Raum beherbergte einst einen Kapitelsaal und ein Studierzimmer. Später nutzten die Ordensbrüder den Platz als Lager für Wein und Lebensmittel. Die Mönche waren Selbstversorger. Am alten Klosterzaun, der sich nach Norden und Osten erstreckte und in Teilen noch sichtbar ist, floss ein Bach, der das Wasser für Weinberge und Obstgärten und für die Versorgung der Mönche führte.

Im rechten Winkel zu diesem Bau schließt sich ein altes Refektorium an. Von der Kanzel an der Wand wurden zu den Mahlzeiten religiöse Texte vorgelesen. Im Jahr 1923 entstand hier ein Militärmuseum und im quadratisch angelegten Kapitelsaal befindet sich seit 1921 das Grabmal des Unbekannten Soldaten: Stellvertretend für alle, die im Dienste Portugals in Kriegen gefallen sind, liegen hier die sterblichen Überreste zweier portugiesischer Soldaten. Einer verlor sein Leben im Ersten Weltkrieg in Flandern, der andere im Kolonialkrieg in Mosambik. An diesem Ort, an dem Schweigepflicht besteht, ist selbst die stündliche Wachablösung eine sehr stille Zeremonie.

Auch hier sollte man den Blick nach oben richten. Baumeister Huguet hat den gesamten Kapitelsaal, dessen Seiten 19 Meter lang sind, mit einem Kreuzrippengewölbe in Form eines achteckigen Sterns abgeschlossen, in dessen Mitte das königliche Wappen prangt. Dieser Saal gehört zu den größten stützenlos überwölbten Räumen, die bis in die Neuzeit auf der Iberischen Halbinsel erbaut wurden. Die Skepsis der Zeitzeugen hinsichtlich der Stabilität erweist sich seit über 580 Jahren als unnötig.

Die Gravuren der Handwerksmeister

An vielen Stellen der monumentalen Elemente in der Klosteranlage finden sich versteckte Details. So haben die Steinmetze ihre Zeichen an den Klostermauern hinterlassen – fast 900 verschiedene Markierungen, mit denen jeder Handwerksmeister seine Arbeit mit seinem Symbol signierte. Kunsthistoriker erklären, diese Gravuren könnten dazu gedient haben, das Geleistete zu quantifizieren, und da das namenlose Heer der Bauarbeiter sehr häufig aus Männern verschiedener Generationen derselben Familie bestand, könnten Väter ihre Symbole auch an die Söhne weitergegeben haben.

Und an den Innenwänden des königlichen Kreuzgangs, im Kapitelsaal und in der Adega, sind einige Dutzend an Graffiti erinnernde Motive sichtbar, offenbar ohne religiöse Bedeutung. Königliche Schilde, Störche und Schiffe kehren dabei immer wieder.

Rund 200 Wasserspeier in Form grotesker, dämonischer Fantasiefiguren (‘gárgulas’) an den Dächern und Terrassen beschützen das Kloster und die Menschen in ihm vor dem Einfluss teuflischer Mächte, aber auch vor irdischem Ungemach: Die Wasserspeier gehören zu einem komplexen System zur Ableitung des Regenwassers. Durch minutiös konstruiertes Gefälle zirkuliert das Wasser jeweils einige Meter, bevor es in hohem Bogen nach außen schießt und auf diese Weise Infiltrationen vorbeugt.

Auf dem Platz vor dem Südportal steht das jüngste Element im Ensemble des Klosters: das Reiterstandbild für Nuno Álvares Pereira, jenen Feldherrn, der seinem König João I. den Sieg in der Schlacht von Ajubarrota beschert hatte. Der Bildhauer Leopoldo de Almeida hat den inzwischen Heiliggesprochenen im Jahr 1961 in Bronze gegossen.

Bei aller Pracht ist nicht zu übersehen, dass an den 600 Jahre alten Klostermauern der Zahn der Zeit nagt. Schüler und Lehrer der örtlichen Berufssfachschule ‘Escola Nacional de Artes e Ofícios Tradicionais’ verrichten hoch spezialisierte Restaurierungsarbeiten und man kann ihnen in den Hallen des Klosters gelegentlich bei der Arbeit zuschauen. Die Steinmetze, Bildhauer, Designer oder Glaser haben internationales Renommee, ihre Expertise ist beim Wiederaufbau der 2019 brandbeschädigten Kathedrale Notre Dame in Paris gefragt, und hier im Kloster veranstalten sie regelmäßig Ausstellungen eigener Kunstwerke.

Information:

Mosteiro de Santa Maria da Vitória
Largo Infante D. Henrique
2440-109 Batalha
GPS: N 39 39.528′ W 008 49.591′

Geöffnet täglich (bitte beachten Sie die geänderten Öffnungszeiten aufgrund der Pandemie)

16.10. – 31.3.: 9 Uhr – 18 Uhr
1.4. – 15.10.: 9 Uhr – 18.30 Uhr

Der Eintritt in die Kirche ist frei. Der Besuch des gesamten Klosters kostet 6 Euro.

Informationen und Reservierungen für mehrsprachige Führungen (auch thematische Führungen): http://mosteirobatalha.gov.pt/en/

Rund um den Platz vor dem Kloster gibt es einige, allesamt empfehlenswerte Cafés und Restaurants und mit Blick auf ‘Santa Maria da Vitória’.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.