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Heiraten mal anders: Im italienischen Lollove geht’s vorwärts in die Vergangenheit

Lollove

Inmitten des bergigen, sardischen Hinterlands liegt das Dorf Lollove. Um den malerisch-schönen Ort vor dem Aussterben zu bewahren, hat ihn die Initiative „Die schönsten Dörfer Italiens“ in ihre Reihen aufgenommen. Statt zur Geisterstadt soll das Dorf zukünftig eine Hochzeitslocation der ganz besonderen Art werden.

Die schönsten Dörfer Italiens oder auch „I Borghi più belli d’Italia“, wie sie offiziell heißen, sind eine Initiative des Nationalverbands der italienischen Gemeinden (ANCI). Das Ziel: All die kleinen, wunderschönen Dörfer ganz Italiens bekannter zu machen, um sie so vor dem Verfall zu retten. Menschen sollen zurück in ihre Heimat ziehen, Touristen die Kleinode entdecken und so wieder Leben in die Region bringen.

Seit Beginn der Pandemie stehen die Dörfer vor allem bei den Italienern hoch im Kurs. SIe sind eine willkommene Alternative zu den stark frequentierten Kunststädten und weltberühmten Landschaften. Auch bei OLIMAR sind sie längst kein unbekanntes Ziel mehr: Besondere Rundreisen mit besonderen Unterkünften präsentieren in zahlreichen Regionen Italiens diese kleinen, absolut sehenswerten Dörfer, ihre Einwohner und ihre kulinarischen Besonderheiten.

 

Lollove
Kämpft gegen den Verfall: Das sardische Dorf Lollove im sardischen Hinterland gehört zu den schönsten Dörfern Italiens. Bild: ©sardegnaturismo.it

Lollove gehört offiziell zu den 320 schönsten Dörfern Italiens

Unter den inzwischen rund 320 Mitgliedern im Club der schönsten Dörfer Italiens befinden sich so einige, die ganz besondere Geschichten zu bieten haben. So auch Lollove, 26-Seelen-Dorf inmitten des bergigen Inlands Sardiniens. Ja, Sie haben richtig gelesen: Lediglich 26 Einwohner hat der mittelalterliche Ort heute nur noch, im Dorfkern selbst sind es 12. Die nur zehn Minuten entfernte Provinzhauptstadt Nuoro stemmt sich mit aller Kraft dagegen, dass aus Lollove ein „paese fantasma“ wird, eine Geisterstadt. 

Bis vor kurzem gab es hier nur wenige noch intakte Häuser mit den typischen, mit Lehmziegeln gedeckten Giebeldächern. Der Verfall machte sich unaufhaltsam breit. Daran konnte leider auch die folgende Anekdote nichts ändern: Das Dorf war Kulisse des 1920 veröffentlichten Romans „La Madre“ der Nobelpreisträgerin Grazia Deledda. Sie erzählt darin die für die Epoche unerhörte Geschichte einer Liebesbeziehung zwischen einem Pfarrer und einer Witwe.

Eine Legende und ein Fluch, der bis heute zu wirken scheint

Deledda stammte selbst aus Nuoro und kannte die Legende, die sich um den Ort rankte. Laut Überlieferung unterhielten im 16. Jahrhundert Nonnen aus dem örtlichen Franziskanerinnenkloster eine Liebesbeziehung zum Pfarrer der Kirche Santa Maria Maddalena, der das Kloster unterstand. Wie konnte es anders kommen, natürlich wurden sie entdeckt und verjagt. Aber nicht, bevor sie Lollove und die gesamte Klosterbesatzung verwünscht hatten. Der Ort sollte nie wachsen und für immer klein und unbedeutend bleiben. 

Wirklich gewachsen ist der Ort tatsächlich nicht. Daran konnte auch die Aufnahme in die Liste der schönsten Dörfer Italiens bis heute nichts ändern. Auf der Website der Initiative ist über Lollove zu lesen: „Un borgo rurale che non cresce e non muore“ – „Ein ländliches Dorf, das nicht wächst und nicht stirbt“. Die Bemühungen, das Dorf vor dem Verfall zu retten, reißen trotzdem nicht ab.

Lollove auf dem Weg in die Zukunft: eine Hochzeitslocation der anderen Art

Heute spielt man in Lollove mit dem Namen, der ein „Love“ wie „Liebe“ in sich trägt. Und überlegt sich, ob man den Ort vielleicht als Hochzeitslocation interessant machen könnte. Paare, die keine aufwändige Location für große Gesellschaften suchen, nicht mit der schicken Limousine filmmäßig vorfahren wollen und keine Kathedrale als Rahmen brauchen, fänden hier eine ganz besonderen Rahmen für ihre Hochzeit.

Hier heiratet man, wie auch gelebt wird: einfach, dafür aber in einer landschaftlich wunderschönen Kulisse. Jahrhundertealte Olivenbäume wachsen zwischen Trockenmauern, man hört die Laute von Ziegen, Eseln und Schafen. Ein Wildbach plätschert auf seinem Weg durch die charakteristischen Granitfelsen Sardiniens. Es gibt selbstgebackenes Brot und selbstgemachten Käse. Es gibt kein Internet, dafür aber Kontakt mit den herzlichen Einheimischen, so viel man will.

Käseproduktion in Lollove
Hier wird Tradition gelebt: Käseproduktion im sardischen Dorf Lollove. Bild: ©sardegnaturismo.it

Käse statt Kuchen: In Lollove ist weniger noch mehr

Statt eine mehrstöckige Torte gemeinsam anzuschneiden, kann das Paar hier gemeinsam Käse machen. Für ein Fotoshooting der ganz besonderen Art stehen knorrige Olivenbäume und ganze Schafherden bereit.

Weniger ist mehr und Detox pur:  Das sind die Stichwörter in Lollove. Für Paare, die auf den ganz normalen Hochzeitswahnsinn gerne verzichten möchten. Und für alle, die mal eine ganz andere Seite Italiens kennenlernen möchten. Ganz nach dem Motto „Vorwärts in die Vergangenheit“.

Zukünftige Hochzeitspaare und alle, die jetzt Lust auf Sardinien bekommen haben, sind eingeladen, sich Lollove einfach mal als Tourist anzugucken. Wunderbar urlauben und übernachten können Sie in folgenden Orten unweit von Lollove:

Titelbild: ©sardegnaturismo.it

Kategorie: Reisenews

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Viorica ist seit vielen Jahren für OLIMAR vor Ort in der italienischen Partneragentur tätig. Sie ist mit einem Kunsthistoriker verheiratet, wodurch sie immer bestens über aktuelle Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen in Italien informiert ist. Am liebsten würde sie sämtliche Events selber besuchen - aber auch darüber schreiben macht ihr Spaß.

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