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Postkartenidylle in Porto Covo im Alentejo

Marktplatz von Porto Covo

Unter portugiesischen Wochenendausflüglern nach wie vor als Geheimtipp gehandelt, begegnet man in Porto Covo und Umgebung im Landkreis Sines kaum ausländischen Touristenscharen, die aus Reisebussen hüpfen, Fotos schießen, und weiterfahren.
Dafür begegnet man überall im Naturpark Süd-West-Alentejo gut gelaunten Fahrradfahrern, Wanderern, Surfern, Spaziergängern, Reitern, Motorradfahrern und Familien, die das entspannte Flair in dem malerischen Fischerort zu schätzen wissen und den Ausflug von dort aus ausweiten und ausgedehnte Sonnenstunden an einem der dreizehn, größtenteils voll konzessionierten und mit Strandaufsicht ausgestatteten Strandbuchten südlich und nördlich von Porto Covo verbringen, oder am Strand Praia de Salto der Freikörperkultur frönen.

Möchte man Porto Covo in einem Wort beschreiben, passt Postkartenidylle im buchstäblichen Sinne. Einstöckige weiß gekalkte Häuser mit blau gefassten Fenstern, und rot leuchtenden Fensterläden und Türen. Mit rötlich schraffierten Mönchsziegeln gedeckt, schmiegen sich die Häuschen wie Bauklötze geometrisch im 90° Grad Winkel zusammengerückt rund um den Marktplatz des Fischerortes, mit Parallelstraßen und schmalen Durchlässen zu den Häuserreihen dahinter. Das gesamte Örtchen im gemütlichem Schlendertempo durchschritten, drängt sich auf eine Hochplateau-Klippe über eine felsige Bucht, in der Fischerboote vor sich hin dümpeln und wo die berühmten Fischfallen, die sogenannten Covos, käfigähnliche Gebilde an Bojen vor die Küste ausgesetzt, allzu neugierige Kraken, Langusten und Tintenfische in die Falle locken, die anschließend fangfrisch in einem der urig eingerichteten Lokale im Ort dem Gast serviert werden.

Porto Covo, übersetzt Hafen-Bucht, blickt zurück auf eine abwechslungsreiche Geschichte. Die sich tief zwischen zwei Klippenfelsen wölbende Bucht, die einzige zwischen den größeren Hafenanlagen von Vila Nova de Milfontes an der Mündung des Mira-Flusses im Süden und Sines, die Heimatstadt vom einstigen Indien-Entdecker Vasco da Gama im Norden, war einst ein kleiner Verschiffungshafen für Holzkohle. Das Holz stammte aus den Wäldern des nahe gelegenen Bergzuges Serra de Cercal.
Auf kleinen Barken verschifften die Köhler ihre Ware aus der zerklüfteten Bucht hinaus auf See zu größeren Handelsschiffen, die in sicherem Abstand vor den Klippen ankerten und den begehrten Brennstoff an Bord nahmen, um ihn nach Lissabon zu transportieren und dort zu verkaufen.

Ein angesehener Lissabonner Kaufmann namens Jacinto Fernandes Bandeira verliebte sich in das Fleckchen Erde rund um Porto Covo und verhalf dem Ort dank seines Vermögens und seines politischen Einflusses zu einer völlig neuen Struktur nach dem Erdbeben am 1. November 1755, das ganz Portugal in Schutt und Asche gelegt hatte. Zwar zählte der Fischerort damals gerade einmal 200 Seelen, aber der Ortskern wurde nichtsdestotrotz in gleicher Manier wie die zerstörte Unterstadt Baixa von Lissabon, sowie die nagelneue Stadt Vila Real de Santo António am Rio Guadiana Fluss am östlichen Ende der Algarve, geplant und gebaut.

In Pombalinischer Manier, benannt nach dem für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben verantwortlichen königlichen Minister Marquês de Pombal, entstand rund um den gleichnamigen Marktplatz das heutige, neue Porto Covo de Bandeira. Strukturiert war aber nicht bloß nach Vorbild der Metropole und großen Schwester Lissabon der Grundriss des Fischerortes, sondern rund um den Platz und dahinter siedelte regionales Handwerk und Gewerbe an. Dazu zählten Schmiedemeister, Sattler, Korbflechter, Kesselflicker, Tischler, Schuster, Schneider, und andere Handwerksbetriebe, die dem Platz und dem Ort ein kommerzielles Flair einhauchten und für wirtschaftliche Dynamik sorgten. Der winzige Fischerort, in dem bis dato jeder Fischer auch ein Bauer war, erlebte eine kleine Renaissance, wuchs zu einer Gemeinde heran und bleibt bis heute ein emblematischer Marktplatz als Spiegel der Region. Zwar arbeitet heute kein Hufschmied mehr neben seiner Esse auf dem Platz und beschlägt Pferden ihre Hufe, dafür bieten eine große Anzahl Boutiquen Kunsthandwerk und vieles mehr an, sowie Cafés und Restaurants regionalübliche Küche mit Köstlichkeiten aus dem Meer und aus den Bergen zubereitet.

Ausflug zur Festung Forte do Pessegueiro

Etwa fünf Kilometer südlich von Porto Covo gelangt man an zum Strand Praia do Pessegueiro. Davor liegt die gleichnamige Insel, übersetzt mit Insel der Fischersleute. Eingeschmiegt zwischen sich wie Nagezähnchen aus dem feinpudrigen Sand erhebenden Klippen aus Schiefergestein, stößt man hier auf mehrere paradiesische Strandbuchten, die über Treppen oder ausgetretene Pfade erreichbar sind.

Die mächtige Festung Forte do Pessegueiro vermutet niemand in diesem Naturparadies und lässt die einstige Bedeutung dieses Küstenabschnittes erahnen. Die Festung wurde während der Iberischen Doppelunion in Portugal auf Befehl des spanischen Königs Filipe II erbaut, und vom neapolitanischen Militär-Architekten Alexandre Massay fertiggestellt. Die mit Kasematten, doppelter Festungsmauer, Kapelle, und ehemals mit fünf Kanonen ausgestattete Bastion diente zur Verteidigung des künstlichen Hafenbeckens zwischen der Insel und der Küste, das jedoch während des Erdbebens in den Fluten des Meeres versunken ist.

Etwa einhundert Jahre später zog die Küstenwachstation Guarda Fiscal in die Festung ein, um den Hoheitsbereich vor der Küste, besonders im ersten und im zweiten Weltkrieg zu schützen. Seit den fünfziger Jahren steht die Bastion leer. Leider kann man die imposante Festung bisher nur von außen besichtigen. Bootsausflüge zur Insel können Besucher von Juni bis Ende August unternehmen.

Die Küste südlich von Porto Covo

Bewegt man sich weiter mit dem Auto auf der CM 1072 gen Süden, oder zu Fuß auf dem Fernwanderweg Grande Rota Vicentina auf der 20 Kilometer langen Fischerpfad-Etappe zwischen Vila Nova de Milfontes und Porto Covo, folgt man dem atemberaubenden Pfad an den Klippen entlang durch den Naturpark der Vicentinischen Küste im Südwesten des Alentejo, und gelangt unterwegs zu einsamen Sandstrandbuchten, sowie zu fossilen Dünen und Kieselsteinbuchten. An einigen Strandabschnitten trifft man auf Süßwasserquellen, die aus den Bergen kommend hier ausfließen und dem südlich gelegenen Ort Vila Nova de Milfontes, Dorf der tausend Quellen, seinen Namen schenkten.

Richtig sportlich wird es auf dem Trimm-Dich-Pfad von Porto Covos Hafenbucht aus beginnend Richtung Norden, der an fünf Strandbuchten vorbei bis zum Strand Praia de Burrinho hin und zurück etwa 12 Kilometer lang ist, und unterwegs einige athletische Herausforderungen an Trimm-Dich-Geräten bereithält.

Den Ozean im Blick, den Horizont im Herzen, das salzig-süße Aroma des Meeres auf den Lippen, fühlt sich ein Tag in und um Porto Covo an wie ein Kurzurlaub. In eineinhalb Stunden von der Süd-Algarve, in knapp zwei Stunden von Lissabon erreicht man ein Kleinod unberührter Natur, sowie eine Vielzahl Strandbuchten, die samt und sonders Abenteuer und Entspannung bieten und stellt fest: Noch gibt es sie, versteckte, kleine Paradiese, die unser Herz höherschlagen lassen.

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Kategorie: Aktiv & Natur, Land & Leute

von

Catrin George Ponciano

Die freischaffende Autorin lebt seit 1999 in der Algarve. Ihre Leser nimmt sie mit gewachsenem Insider-Wissen und großer Liebe zum Land mit auf eine Gedankenreise durch Portugal. Für den OLIMAR-Reiseblog stellt sie Erkundungstouren durch Lissabon, in den Alentejo, und in die Algarve vor. Hier geht's zu ihrer Autoren-Webseite.

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