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Der große Azoren-Inselvergleich – welche Insel passt zu welchem Urlauber?

Sete Cidades auf den Azoren Blumen und See

Mitten im Atlantischen Ozean gelegen, findet man das Paradies auf Erden – die Azoren. Nach rund 5 Flugstunden erreicht man die Inseln, die sich rund 1.360 Kilometer vom portugiesischen Festland entfernt befinden und in 9 große Eilande mit der Hauptinsel São Miguel unterteilen. Knappe 600 weitere Kilometer als zum europäischen Festland trifft man bereits auf Kanada. Die 9 Inseln werden in 3 Gruppen eingeteilt: die nordwestliche, die zentrale und die südöstliche Gruppe. Welche Insel was zu bieten hat, erfahren Sie in unserem Azoren-Inselvergleich – auf einer kleinen Reise von West nach Ost über die facettenreichen Azoren:


Karte der Azoren-Inseln

Corvo – Die Kleine

Corvo zählt zu der nordwestlichen Gruppe und ist die kleinste der 9 Inseln. Auf rund 17 Quadratkilometern befindet sich nur eine Siedlung mit 430 Einwohnern. Vila do Corvo, wie die Inselhauptstadt heißt, zählt damit zu den kleinsten Städten Europas. Corvo bedeutet übersetzt Rabe, der auf der Insel zuhauf zu finden ist. Auch auf der Flagge ist der Vogel abgebildet. Corvo entstand aus dem mittlerweile erloschenen Vulkan Monte Gordo, der die kesselförmige Caldera bildet, in der sich der See Lagoa do Caldeirão befindet. Der Süden der Insel ist eher flach, im Gegensatz zum Rest, der besonders durch steile Klippen geprägt ist. Die Landschaft besticht vor allem durch die vielen grünen Kraterweiden, auf denen zahlreiche Kühe grasen. Die aus der Rinderhaltung gewonnenen Produkte werden in Lissabon verkauft und bieten somit die Haupteinkommensquelle der Insel. Besonders beliebt ist der halbfeste Corvokäse, der nach mindestens 60 Tagen reifen einen pikanten Geschmack erhält.
Wer nun meint, dass die Insel touristisch uninteressant ist, der irrt sich. Immerhin findet man hier einen kleinen Regionalflughafen und mehrere Unterkünfte. Die klaren Seen und der Ozean laden zum Baden und die imposante Flora und Fauna ist besonders für Wanderer interessant. Hier können Sie der Natur und der Ruhe ganz nah sein.

Flores – Die Blumige

Wie der Name es schon vermuten lässt, erstaunt einen Flores mit einer üppigen Blumenpracht. Die ebenfalls zur nordwestlichen Gruppe zählende Azoreninsel zeigt im Juli und August ihre volle Pracht, wenn die Hortensien im schönsten Blau blühen. Aber auch im Frühling und Herbst bietet Flores ein farbenfrohes Blumenmeer. Reisende können sich ebenso wie auf Corvo über ein sehr naturbelassenes Urlaubsziel freuen, das neben saftig grünen Wäldern und klaren Seen eine aufregende Küstenlandschaft bietet. Flores ist mit 143 Quadratkilometern die viertkleinste Azoreninsel. In der Hauptstadt Santa Cruz de Flores leben rund 1.600 der insgesamt 3.700 Einwohner. Anders als auf der Nachbarinsel konzentriert man sich hier auf den Tourismus, was Besuchern unmittelbar an der besser ausgebauten Infrastruktur auffällt. Neben einem Flughafen verwaltet Flores außerdem ein Elektrizitätswerk und ein Krankenhaus.

Besonders bekannt ist die Insel neben der Blumenvielfalt für seine Wasserfälle, die sich ihren Weg entlang der Klippen suchen und ein einzigartiges Naturschauspiel bieten. Um zu den Wasserfällen zu gelangen, sollte man sich allerdings auf eine kleine Wanderung einstellen, die aber auch für Anfänger durchaus machbar ist. Festes Schuhwerk und gute Wetterbedingungen werden dennoch stets empfohlen, da die nassen Steine besonders beim Abstieg sehr rutschig sein können.

Faial – Die Seglerin

Auf unserer Reise weiter Richtung Osten stoßen wir nun auf die zentrale Azorengruppe mit der Insel Faial. Sie gilt als Hauptanlaufpunkt für Atlantiküberquerer. Aus diesem Grund erlangte die Insel, die etwa die Größe der Stadt Aachen hat, internationale Bekanntheit. Hier trifft sich die Segelszene. Ein Zwischenstopp auf Faial gehört beim Überqueren des Atlantiks quasi unbedingt dazu. Einige lassen sich deswegen sogar ihre Post hierhin schicken, damit sie sie während der Tour mitnehmen können. Zu einem besonderen Ritual gehört bei den Sportlern die künstlerische Verewigung auf der Kaimauer. Aber nicht nur Segler finden hier den perfekten Ausgangspunkt oder Zwischenstopp. Die Insel gilt außerdem als wichtiges Zentrum für Yachtfahrer zwischen Europa und Amerika.

Ähnlich wie auf Flores blühen hier zahlreiche Hortensienhecken, weswegen die Insel auch den Spitznamen „Ilha Azul“, also blaue Insel, trägt. Die Pflanzenpracht stammt wie auf den restlichen Inseln vom vulkanischen Ursprung. So bietet Faial eine herrliche Gebirgslandschaft und eine saftig grüne Flora, die besonders für Wanderer interessant ist. Der Vulkan Capelinhos brach zuletzt in den 1950er Jahren auf offener See aus. Er brodelte so lange, dass sich das neu gebildete Land mit der Hauptinsel verband. Auf der neu geschaffenen Ponta dos Capelinhos wurde sodann ein Leuchtturm errichtet, der seit 2008 ein Museum beherbergt.
Badeurlauber finden im Küstenstädtchen Horta, der Inselhauptstadt, den feinen Kiesstrand Praia do Porto Pim, der zum Abkühlen im Atlantik einlädt. Horta selbst hat rund 6.500 Einwohner. In rund 10 Kilometer Entfernung befindet sich der Flughafen.

Pico – Die Vielseitige

Pico ist mit 14.000 Einwohnern die zweitgrößte Insel der Azoren und zählt ebenfalls zur zentralen Gruppe. Mit einem Alter von 250.000 Jahren ist sie die Jüngste der Azoren. Pico bietet seinen Gästen ein vielseitiges Programm. Besonders bekannt war die Insel bis 1985 für den Walfang. Danach wurde dieser eingestellt. Zwei Museen erzählen noch heute die Geschichten der Fangkultur. Heutzutage gilt die Insel eher als Hotspot fürs Whalewatching. So tummeln sich ca. 20 Wal- und Delfinarten im Gewässer rund um Pico. Mit etwas Glück lassen sich Orcas, Pott- und Blauwale beobachten, zum Teil sogar vom Land aus. Die besten Chancen hierfür hat man vom Leuchtturm Farol Ponta da Ilha, der sich an der steilen Südküste befindet.

Aufgrund der starken Strömung sollte das Baden im Ozean vermieden werden. Zum Ausgleich bietet die Insel aber zahlreiche künstliche und natürliche Schwimmbäder, die Piscinas, die für ausreichend Schwimmvergnügen sorgen. Wanderer und Bergsteiger versuchen sich am liebsten am höchsten Berg Portugals, der ebenfalls Pico heißt. Mit einer Höhe von 2.351 Metern ist die Besteigung nicht für gänzlich unsportliche Wanderer geeignet (s. Artikel Pico-Besteigung – der höchste Berg Portugals ruft). Oben angekommen darf man sich über eine atemberaubende Aussicht freuen, die bis zu den Nachbarinseln reicht.

Genuss wird auf Pico großgeschrieben, insbesondere wenn es um Weine geht. Die Insel hat sich einen speziellen Rebanbau angeeignet, der sogar 2004 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Winzer erstellen dabei einen Schutzwall aus dunklem Lavagestein, der den Wein vor dem salzigen Wind schützt. Rund um die Anbaugebiete prägen die Adegas, kleine Winzerhäuschen aus Lavasteinen, die Landschaft. Am wertvollsten wird bei Weinkennern die Verdelho-Traube gehandelt. Sie erlangte internationale Bekanntheit, da sie unter anderem in den Kellern des Zaren Nikolaus II. gefunden wurde. Passend zur Weinverkostung sollte man sich ein Stück des leckeren Käses Queijo do Pico nicht entgehen lassen.

São Jorge – Die Grüne

São Jorge wird als die grünste Insel der Azoren bezeichnet. Sie hat eine Länge von rund 54 Kilometern und zählt ebenso zur zentralen Gruppe. Das schmale Eiland besticht vor allem durch die endlos wirkende grüne Landschaft, die unzählige Kühe beheimatet. Selbst auf der vorgelagerten Insel Topo sind diese beim Grasen zu beobachten. Zu den geschmackvollsten Erzeugnissen aus dieser Rinderhaltung gehört der kräftig-würzige Käse Queijo de São Jorge. Der Ackerbau und die Viehhaltung zählen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Insel. Die Insel ist weniger touristisch erschlossen als ihre Nachbarn. Am ehesten werden der Hauptort Velas sowie die Dörfer Manadas und Urzelina besucht.
Die Insel São Jorge eignet sich besonders für einen Aktivurlaub. So werden hier viele Wanderer gesichtet, aber auch Surfer und andere Wassersportler. Neben Canyoning an den schwarzen Steilküsten vulkanischen Ursprungs wird São Jorge vor allem als Surf-Hotspot bezeichnet. Der Küstenabschnitt Fajã da Caldeira Do Santo Cristo bietet perfekte Wellen, die sich für Anfänger und Profis eignen.

Graciosa – Die Zierliche

Graciosa ist die zweitkleinste Azoreninsel. Sie strahlt daher durch und durch eine besonders ruhige Atmosphäre aus. Der Hauptort Santa Cruz da Graciosa beheimatet gerade einmal 1.800 Einwohner. Damals war für die Insel die Ausfuhr von Wein und Getreide die wichtigste Einnahmequelle und verschuf Graciosa einen gewissen Wohlstand, der auch von Piraten nicht unentdeckt blieb. Aus diesem Grund errichtete man 13 Festungen, die das Eiland schützen sollten. Im 19. Jahrhundert lebte die Insel vom Walfang und der Ziegelei. Da im Laufe der Zeit jedoch beides eingestellt wurde, litt Graciosa an einer Auswandungswelle aufgrund von Existenzängsten der Einwohner. Mittlerweile konnte sich die Insel davon wieder erholen und lebt nun von der Landwirtschaft.
Ruhesuchende entspannen bei kleinen Rundfahrten durch die idyllischen Dörfer oder im Thermalbad mit seinen Meeresschwimmbecken. Ein abenteuerlicher Ausflug erwartet die Besucher bei der Wanderung durch die Lavahöhlen Furna do Enxofre oder Furna da Maria Encantada. Die Besichtigung dieser gilt als wahres Hightlight während einer Reise nach Graciosa.

Terceira – Die Dritte

Terceira gehört mit 56.000 Einwohner zu den größeren Azoreninseln der zentralen Gruppe. Sie erhielt ihren Namen „Die Dritte“ dadurch, dass sie als Dritte von den portugiesischen Seefahrern entdeckt wurde. Ursprünglich hatte sie den Namen Ilha de Jesus Christo (Insel Jesus Christus) oder auch Brasilien. Ein Berg der Insel heißt immer noch Monte Brasil und ist ein beliebtes Wanderziel. Die Insel ist größtenteils an der Küste besiedelt, vor allem in den Städten Vila da Praia da Vitória und Angra do Heroísmo. Letztgenannte zählt mit ihrer gut erhaltenen Altstadt und der Befestigungsanlage, die bei Piraten als uneinnehmbar galt, seit 1983 zum UNESCO Weltkulturerbe.
Die Insel erzählt eine interessante Geschichte. Vor dem Landebahnbau auf São Miguel hatte Terceira bis in die 1960er Jahre den größten Flughafen der Azoren, was daran lag, dass die Insel schon lange Zeit vor der Luftfahrt von großer Bedeutung war. Internationale Handelsschiffe legten hier ihren Zwischenstopp auf dem Weg über den Nordatlantik ein. Aus der Handelstradition heraus wurde Terceira dann auch für den Luftverkehr immer wichtiger.
Badeurlauber werden nur an der Ostküste einen feinen Sandstrand finden. Allerdings gilt der Praia da Vitoria als einer der schönsten Strände der gesamten Inselgruppe. Die übrige Landschaft ist von schroffem Lavagestein geprägt, der allerdings das Baden im Atlantik nicht einschränkt, denn zum Schwimmen wurden zahlreiche Naturpools geschaffen. Als besonders schön gilt der Lavapool von Biscoitos.

São Miguel – Die Größte

São Miguel ist ganz klar die touristisch wichtigste Azoreninsel, und wird daher auch als Hauptinsel bezeichnet. Sie gehört bereits zur südöstlichen Gruppe. Aufgrund ihrer Größe vereint die Insel alle Vorzüge der Azoren, wie schöne Strände und zahlreiche natürliche Sehenswürdigkeiten, darunter Lavahöhlen wie die Gruta do Carvão, heiße Quellen und tiefblau schimmernde Kraterseen. Auf São Miguel leben rund 138.000 Einwohner, die meisten davon in der Hauptstadt Ponta Delgada.

Ursprünglich bestand die Insel aus zwei Teilen, die erst seit 10.000 Jahren durch den aktiven Vulkan miteinander verbunden wurden. Wer dem Vulkanismus auf den Grund gehen möchte, der unternimmt einen Besuch in das Furnastal, wo eindrucksvolle Thermalquellen mit Schwefel- und Eisenbestandteilen zu finden sind. Weiter geht die Wanderung zur Caldera Sete Cidades im Inselwesten. Der eingestürzte Vulkankrater beherbergt zwei miteinander verbundene Seen, den Lagoa Azul und den Lagoa Verde. Zusammen ergeben sie ein atemberaubendes Naturschauspiel und das wohl beliebteste Fotomotiv der Azoren.

Neben dem Tourismus lebt São Miguel von der Milchwirtschaft sowie vom Obstanbau, besonders dem der Ananas. Riesige Plantagen und Gewächshäuser sind überall auf der Insel zu finden. Außerdem findet man hier die beiden einzigen Teeplantagen innerhalb der Europäischen Union. Die Cha Gorreana-Plantage beispielsweise und die dazugehörige Fabrik können kostenfrei besichtigt werden (s. Blogpost Spannender Besuch auf Europas einziger Teeplantage).
Die Hauptstadt Ponta Delgada schmückt sich mit einer schönen historischen Altstadt sowie zahlreichen Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten. Dies ergibt einen herrlichen Kontrast zum Rest der Insel (s. Blogpost 1 Tag in Ponta Delgada).
Wer einmal etwas Außergewöhnliches und Typisches für São Miguel probieren möchte, der sollte nach dem Gericht Cozido fragen. Hierbei handelt es sich um einen deftigen Eintopf aus Rind-, Schweinefleisch und Blutwurst, der über einer Schwefelquelle gegart wird. Viele weitere Tipps zum Urlaub auf São Miguel gibt’s im Blog-Artikel Urlaub auf den Azoren – sieben São Miguel Tipps.

Santa Maria – Die Älteste

Unsere letzte Vorstellung im Azoren-Inselvergleich ist Santa Maria, die ebenfalls zur südöstlichen Gruppe zählt und die älteste Insel ist. Auch wenn sie ebenfalls vulkanischen Ursprungs ist, besteht sie zusätzlich aus Sedimentgestein. Dies ist der Grund dafür, dass Erdbeben in der Vergangenheit hier schwächer zu spüren waren und die Insel meist sogar hiervor verschont worden ist. Das Eiland zählt die meisten Sonnenstunden und den geringsten Niederschlag. Besonders bekannt ist Santa Maria für das Kunstgewerbe und die Töpferwaren.

Die weißen Strände und herrlichen Badebuchten sind vor allem bei Paaren sehr beliebt. Hier finden sich zahlreiche romantische Plätze für die schönste Zeit zu Zweit. Nach einem Tag am Ozean empfiehlt sich ein Ausflug zu den kleinen Dörfern, imposanten Herrenhäusern und unzähligen Gotteshäusern. Im August widmet sich Santa Maria ganz der Musik, wenn das jährliche Festival Meré de Agosto stattfindet und zahlreiche Musiker aus der ganzen Welt anlockt.
Im Gegensatz zu den anderen kleinen Azoreninseln ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für die Insel. Aus diesem Grund wird man hier weitestgehend ausgebaute Straßen finden, die alle Teile Santa Marias gut miteinander verbinden. Außerdem wird der Flughafen in der Hauptsaison mehrmals wöchentlich von Lissabon und Ponta Delgada angeflogen.

Auf der Suche nach der schönsten Azoreninsel

Konnten Sie mit dem Vergleich der Azoreninseln einen Einblick in die Vielfalt gewinnen? Auch wenn alle Inseln landschaftlich ähnlich zu sein scheinen, hat jede von ihnen doch ihren eigenen Charakter, der auf verschiedene Geschmäcker trifft. Mögen Sie es lieber wild-romantisch, ruhig, gut erschlossen oder abenteuerlich? Eine der Azoreninseln wird Ihre Wünsche erfüllen und Ihnen ein einzigartiges Urlaubserlebnis bescheren. Auf unserer Azoren Themenseite finden Sie viele weitere Informationen, aktuelle Reiseangebote und Hoteltipps.

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Kategorie: Land & Leute

von

Juliane M.

Juliane ist in der Reisewelt zu Hause und bringt ihre Urlaubserfahrungen gern zu Papier. Im Süden Europas hat die kleine italienische Insel Ischia ihr Herz erobert. Am liebsten plant sie eigene kleine Rundreisen, durch die man Land und Leute noch besser kennenlernen kann.

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