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Natur & Kultur an der Algarve: Spaziergang auf der „Ponta do Medo“

Strand von Alvor mit Blick auf Sandsteinklippen nach Osten

Der idyllische Fischerort Alvor konnte sich seinen Charme erhalten, obwohl das quirlige Touristenziel längst zu den Lieblingsorten der Algarve-Urlauber zählt.

Die „Spitze der Angst“ haben die Fischer von Alvor die Düne genannt. Von dort schaut man bis zur Hafenstadt Lagos. Das Dünenatoll erhebt sich wie ein Schutzwall aus dem Meer. Es schützt den Fischerhafen und Ort Alvor vor Sturm und Brandung, und umarmt die Ria de Alvor. Die Lagune ist ein mehrere Quadratkilometer großes Biotop für Wasservögel und Schaltiere. Sie dehnt sich aus bis zur Flussmündung, begrenzt durch Wellenbrecher an beiden Uferseiten, und markiert mit unbemannten Leuchttürmchen.

Wellenbrecher am farolim Leuchtturm
Wellenbrecher

Die sogenannten farolim blinken rot und grün sobald es dunkelt, und zeigen den Fischern den Weg in die Lagune – oder hinaus. Sobald man die farolim passiert, verlassen die Boote ruhiges Gewässer und die Strömung an der Ausfahrt ist tückisch. Die Fischer wissen das. Sie nehmen die Wogen bei jeder Ausfahrt wieder ernst, als bändigten sie ein bockiges Pferd.

Barfus oder bequem mit Schuhwerk

Die Dünenhalbinsel trennt den über vier Kilometer langen Sandstrand Praia de Alvor von der Lagune und lädt ein zum Spazierengehen. Das geht barfuß an der Wasserlinie entlang oder bequem mit Schuhwerk zu jeder Jahreszeit und Tageszeit über den Steg, der am Strand oben entlang über Stelzen bis zu den Sandsteinklippen am östlichen Ende führt. Bis zur Flussmündung an der Spitze der Düne gen Westen gelangt man ebenso bequem zu Fuß über Holzdielen auf Stelzen. Seit 2006 beschert der Naturlehrpfad PR2PTM Ao Sabor do Maré Spaziergängern einen erholsamen Rundgang, um frische Brise sowie das naturbelassene Ambiente zu genießen oder um spektakuläre Fotos von der Lagune und ihrer Vogelvielfalt zu schießen. Parken kann man bequem gleich am Fischerhafen, wo die Rundroute „auf der Fährte der Gezeiten“ beginnt und endet.

Stelzenweg auf der Düne
Stelzenweg auf der Düne

Die Ria de Alvor ist ein ausgewiesener Schutzraum für Wasservögel und ein spannender Beobachtungsposten für Ornithologen. Graumöwe, Silberreiher, Zwergseeschwalbe, Haubenlerche, Austernfischer, oder Kormorane kann man hier ganzjährig in ihrem Habitat beobachten – im Herbst sogar Flamingos.

Naturschauspiel von Ebbe und Flut

Das Flussbett sieht zu jeder Stunde des Tages anders aus. Dafür sorgen die Gezeiten. Zweimal am Tag kommt und geht das Meer, wie die Fischer sagen, und verwandeln die Lagune in einen Wasserspiegel oder in ein Biotop mit Düneninseln und Prielen. So entstand der Name „Fährte der Gezeiten“ für den Spazierweg, schenkt der stetig wechselnde Tidestand dem Spaziergänger stündlich ein anderes landschaftliches Panorama. Bei Vollmond kann der Tidehub sogar fünf Meter betragen.

Sobald das Meer sich zurückzieht, brechen Muschelfarmer auf und laufen mit Eimer und Muschelhacke ausgestattet am Spülsaum entlang bis zu den Muschelbänken. Gebückt buddeln sie mit bloßen Händen Stück um Stück Herzmuscheln, Scheidenmuscheln, und Dreiecksmuscheln aus, ernten Miesmuscheln und Austern, oder fangen Flusskrebse. Ihre Kollegen, die Fischer, arbeiten an Bord am Arbeitsplatz Meer. Sie fischen mit Langleine, Reusen und Grundnetz. In der warmen Jahreszeit fischen sie Sardinen und Makrelen, und unterliegen der jeweiligen Quotenregelung für ihren Hafen. Edelfische wie Wolfsbarsch, Brasse und Äsche, Dorsch, fangen sie mit der zweieinhalb Kilometer langen Langleine, an der bis zu 4000 Haken geknotet, bestückt mit Köderfisch hängen. Auf sandigem Grund in Küstennähe gehen vor allem Seeteufel und Butts ins Netz. Reusen werden an Bojen aufgehängt zu Wasser gelassen und mittels Lebendköder Kraken und Kalmar in die Falle gelockt.

Reusen
Reusen

Fischfang als Tradition

Der Fischfang in Alvor hat über 2000 Jahre Tradition und findet weiter statt. Den Fischern an Land kann man im Fischerhafen bei ihrer Arbeit zuschauen. So wundert es kaum, dass das Wahrzeichen des Ortes ein steinernes Fischerdenkmal mit Barsch in der Hand ist. Die meterhohe Marmor Skulptur des Meisterskulpteurs João Cutileiro geschaffen, steht an der Promenade gegenüber der ehemaligen Fischversteigerungshalle lota. Hier am Pier legten die Fischer bis 2004 mit ihren Kutterbooten an, als die gesamte Promenade am Hafengelände entlang, wo jetzt schicke Restaurants ihre Gäste mit Blick auf die Lagune mit feinen Speisen und Weinen verwöhnen, noch Sandbank gewesen ist.

Fischerstatue von Alvor
Fischerstatue von Alvor

Pfarrkirche im manuelistischen Stil

Am Rettungsbootshaus vorbei gelangt man bergauf und dann nach links zur über 500 Jahre alten Pfarrkirche, deren prächtig manuelinisch mit Oktopus Tentakel und Schiffstauen ornamentiertes Hauptportal zu den schönsten an der Algarve zählt. Lesen Sie zu dem Thema gern auch unseren Artikel Von der Gotik zur Manuelinik: Portugiesische Kronjuwelen der Architektur. Im August findet an Mariä Himmelfahrt eine Prozession durch den Ort zu Ehren des Bom Jesus de Alvor statt, die am Hafen im Wasser endet.

Auch historisch ist Alvor portugalweit bekannt. Der berühmteste Besucher des Ortes war nämlich König D. João II, der mit päpstlichem Segen im Vertrag von Tordesillas 1494 die Herrschaft über die Weltmeere geografisch zugunsten Portugals ausgehandelt hat, weswegen Brasilien unter Portugiesische Kolonialhoheit fiel. Bei seinem letzten königlichen Stelldichein in Alvor im Oktober 1495, beim Burggrafen, dessen Tochter Catarina mit Vasco da Gama verheiratet gewesen ist, erlag König D. João II nach genüsslicher Appetitlust auf Meeresfrüchte einer Fischvergiftung – und verstarb. An ihn erinnert an der Rotunde am Taxistand in Alvor ein Denkmal.

OLIMAR Tipp

Die Algarve wartet mit verschiedenen Highlights auf, bei denen für jeden Urlaubstyp etwas dabei ist. Wir empfehlen zum Beispiel die Traditionsadresse an der Algarve: das PESTANA ALVOR PRAIA PREMIUM BEACH & GOLF RESORT. Dank seiner unweit gelegenen Golfplätze und attraktiven Konditionen eignet sich dieses Hotel besonders gut für Golf-Fans. Noch ein Highlight: Eingebettet in eine sehr gepflegte Parkanlage, beherrscht es die felsumrahmte Badebucht des feinsandigen Praia dos Três Irmãos am Ende der 7 km langen Strandzone von Alvor – direkt vom Hotel aus zu erreichen über Treppen oder einen Aufzug. Das Erleben der Schönheit der Algarve lässt sich übrigens perfekt kombinieren mit einer Tour durch den üppigen Norden Portugals und die Weite des Alentejo – auf unserer Rundreise IM BANN DES UNESCO-WELTKULTURERBES. Im Rahmen dieser 10-tägigen Mietwagen-Rundreise ab/bis Lissabon können Sie wenigstens 10 UNESCO-Weltkulturerbestätten in diesen Regionen des Landes bewundern.

Kategorie: Aktiv & Natur

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Die freischaffende Autorin lebt seit 1999 in der Algarve. Ihre Leser nimmt sie mit gewachsenem Insider-Wissen und großer Liebe zum Land mit auf eine Gedankenreise durch Portugal. Für den OLIMAR-Reiseblog stellt sie Erkundungstouren durch Lissabon, in den Alentejo, und in die Algarve vor. Hier geht's zu ihrer Autoren-Webseite.

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