Alle Artikel in: Kunst & Kultur

Bologna Panorama

Bologna für Insider – Kulinarik trifft Kultur

Wer den Tag mit einem Cappuccino und einer guten Brioche in einer Bar von Bologna beginnt, spürt das besondere Flair sofort. Am Tresen stehen ausschließlich Einheimische, die mit dem Inhaber über das Wetter, die Wirtschaft und die zur Wahl stehenden Kaffeesorten fachsimpeln: Sollen sie den Java oder den Malabar bestellen? Oder besser gleich die Spezialität des Hauses, einen Espresso mit einem Klacks hausgemachter Zabaione? Mercato delle Erbe, Bolognas prächtige Markthalle Bologna genießt selbst im gastronomisch privilegierten Italien eine Sonderstellung. Natürlich sind die Bewohner stolz darauf, dass ihre Stadt “la dotta” (die Gebildete) genannt wird, weil ihre 1088 gegründete Universität die älteste der westlichen Welt ist. Wichtiger ist ihnen aber der Beiname “la grassa” (die Fette) sowie die Tatsache, als inneritalienisches Schlaraffenland zu gelten. Erste Anzeichen findet man auf dem prächtigen mittelalterlichen Mercato delle Erbe. In der Halle liegen Tomaten, Artischocken und Pfirsiche in diversen Farben und Formen auf den Verkaufstischen, an einigen Ständen gibt es 36 und 48 Monate lang gereiften Parmigiano Reggiano und tagesfrischen Ziegenquark, an anderen werden feinster Parmaschinken und Mortadella aufgeschnitten – …

Italien Tropea Panoramablick

Tropea: schönstes italienisches Dorf

Seit dem 5. April ist Kalabrien in Feierlaune, denn an diesem Tag wurde Tropea von den Italienern zum schönsten Dorf Italiens gekürt. Und das live in der Fernsehserie «Il Borgo dei Borghi». Der kleine Ort ist dem exklusiven Club der italienischen Borghi erst im Oktober 2020 beigetreten. Die «Perle des tyrrhenischen Meeres», so die schönste Beschreibung Tropeas, liegt sehr malerisch auf einem Felsplateau an der Westküste der süditalienischen Region. Sie zieht nicht nur Strandurlauber*innen an, sondern auch Kulturinteressierte. Denn neben den schönen Sandstränden in der Umgebung, hat Tropea einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Zum einen das historische Stadtzentrum mit den typisch verwinkelten engen Gässchen und dann die Palazzi der Adeligen mit ihren beeindruckenden Eingangstoren. Zudem gibt es noch die Normannen-Kathedrale aus dem charakteristischen gelben Tuffstein. Ein bekanntestes Bild aus Tropea ist auch das mittelalterliche Sanktuarium S.Maria dell’Isola, das seit 370 n. Chr. wie auf einer Bühne auf einem Kalksteinfelsen vor der Stadt liegt. Es kann über eine steile Treppe, die direkt in den Felsen gehauen ist, erreicht werden. Da die Stadt bei ihrer Erbauung vom Festland …

Landschaft Alentejo Frühling

Marmorroute im Alentejo: Roadtrip entlang des weißen Goldes

Verborgen unter der Landschaft des Alentejo, mit seinen pittoresken Dörfern und reichen Korkeichenfeldern, ruht der geologische Schatz der portugiesischen Region: Marmor. Auf einem Roadtrip mit dem Mietwagen, der so genannten Marmorroute, erlebst Du die Geschichte dieser Industrie aus nächster Nähe. „Endlos ist die Landschaft dieser Erde. So viel an anderem auch fehlen mochte, an ihr war niemals Mangel. Ein Überfluss, der nur als rastlos wirkendes Wunder zu erklären ist, war doch die Landschaft ohne Zweifel vor dem Menschen da, und doch ist sie vom langen Sein noch nicht erschöpft.“ So beginnt der Roman ‘Hoffnung im Alentejo‘, den Portugals Literatur-Nobelpreisträger, José Saramago im Jahr 1980 verfasst. Und er schrieb über die Region, die mehr als jeder andere Landesteil mit Weite verbunden ist und mit dem, was in harter Arbeit entsteht. Es geht nicht nur um Kork, Oliven und Wein. Sondern auch um Stein und Marmor. Von Estremoz, über Vila Viçosa bis zur spanischen Grenze: überall liegt Marmor Der feste, polierfähige Kalkstein aus den Mineralen Aragonit, Kalzit und Dolomit aus dem Erdaltertum vor rund 400 Millionen Jahren, …

Portugal Musik Monumento Jose Afonso

Sternstunden im Klangkosmos – Portugals Musik

Eine schmachtende Frauenstimme in Moll, die Seufzer der Gitarra Portuguesa: Alle Welt kennt den Fado, Portugals Sehnsuchtsgesang, der seit 2011 immaterielles Weltkulturerbe ist. Doch die musikalische Landschaft zwischen Porto, Lissabon und Faro umfasst viel mehr: Polyphone Gesänge treffen auf afrikanische und brasilianische Rhythmen, Pop und Rock auf Techno, Tango und epische Filmmusik. »Lissabon, sei nicht so französisch« sang Amália Rodrigues vor 60 Jahren zu einer beschwingten Melodie. Portugal war damals ein abgeschottetes Land, die Elite rund um den Diktator Salazar trug Chanel und trank Champagner, Amália tourte als offizielle »Stimme Portugals« um die Welt. »Lissabon, sei nicht so rassistisch«, singt Fado Bicha 2020 zur gleichen Melodie. In den traditionellen Casas de Fado hört man so etwas allerdings nicht. In den vor allem auf Touristen ausgerichteten Lokalen wird ein konservativ-folkloristisches Bild des Nationalgenres kultiviert. Eine Talentschmiede sind die Casas de Fado aber weiterhin: Alle großen Stars haben dort ihre Karriere begonnen. So auch die 1973 in Mosambik geborene Mariza, die mit Jazz, Gospel, Bossa Nova und Flamenco experimentiert. Eine Brücke zur portugiesisch- kreolischen Musik Afrikas Melancholie, …

Portugal Porto Blick auf Ponte Dom Luis

Keine Zeit für Nostalgie

Verdammt lang her: Lissabon war noch ein Geheimtipp, Porto nur etwas für Weinliebhaber und in Sagres gab es keine „letzte Bratwurst vor Amerika“. Die guten alten Zeiten? Nein, sagen meine Freunde in Portugal, und heilen mich auf einer Reise im Spätsommer 2020 von der Saudade, der portugiesischen Wehmut, mit der sie mich vor drei Jahrzehnten angesteckt hatten.  

Portugal Weihnachten

Portugal – ein Weihnachtsmärchen

Kleines Land, große Traditionen. Wer Portugal in den Wochen vor Weihnachten besucht, trifft auf fröhliche Festtagsvorfreude ebenso wie auf Besinnlichkeit und Brauchtum. Weihnachtszeit in Óbidos In der mittelalterlichen Kleinstadt Óbidos pulsiert vorweihnachtlich-buntes Leben in Europas einzigem, ganz dem Weihnachtsfest gewidmeten Themen- und Ereignispark ‘Óbidos – Vila Natal’. Am Fuß der Burg scheint E.T.A. Hoffmanns Märchen „Nussknacker und Mausekönig“ zum Leben zu erwachen. Wichtel, Elfen und Weihnachtsboten wuseln durch die Gassen, es gibt Buden mit Süßigkeiten, Punsch und Kakao. Krippen, geschmückte Tannenbäume, dazwischen kleine Werkstätten, Dekoration und Spielwaren vermitteln den Eindruck, der Weihnachtsmann habe sein Domizil in Lappland aufgegeben und sei nach Portugal gezogen. Eine Skipiste und eine Eislaufbahn begeistern sportlich Aktive. Konzerte internationaler Chöre und Orchester sowie Kunstausstellungen wenden sich an Besucher, die dem Trubel entsagen. Aufgrund der Beschränkungen im Corona-Jahr ist all dies auf Spielerisches und Filmisches im Internet begrenzt, während sich Óbidos schon auf 2021 vorbereitet. Óbidos (‘Óbidos – Vila Natal’): Óbidos, Distrikt Leiria; 39° 21′ 37.98″ N,  -9° 09′ 24.12″ W; www.obidosvilanatal.pt Weihnachten in Cabeça Ganz anders, nämlich sehr beschaulich und naturbelassen …

Ankerfriedhof

Drei Städte, vier Museen: Unterwegs an der Algarve

Die Algarve hält viele reizvolle Refugien für ihre Gäste parat. Die zahlreichen individuell thematisierten Museumshäuser gehören auf jeden Fall dazu. Herbst und Winter stehen vor der Tür – die Algarve lockt mit herbstlich mildem Klima zu Erholungsurlaub mit ausgedehnten Strandspaziergängen an die Küste, lädt Urlauber ein zu Streifzügen durch Städte und Dörfer – und zu Museumsbesuchen. Heimatwissen mit archäologischen Funden bündeln die hiesigen Museen und halten außerdem jede Menge Überraschungen parat. Die Legenden zu den Exponaten sind zweisprachig portugiesisch und englisch aufbereitet, Broschüren oftmals auch auf Deutsch erhältlich. Museu de Portimão – Sardinenfabrik & Stadtmuseum Manchmal heulten die Sirenen im Morgengrauen, manchmal erst am Nachmittag. Das Heulen konnte man hören bis an den Stadtrand von Portimão, sogar bis in die umliegenden Dörfer. Die Sirenen riefen die Fabrikarbeiterinnen zum Dienstantritt in die Konservenfabrik, und zwar immer dann, sobald die Sardinenfangflotte in den Arade-Fluss und Hafen zurückkehrte, bereit den Fang zu löschen. Der Fischfang und das Ausladen der Sardinenbeute war Männerarbeit. Waschen, säubern, ausnehmen, enthäuten, entgräten, sortieren und in Dosen betten, der blauschimmernden Schwarmfischlein, Frauenarbeit. Die fangfrischen …